Josef, Günther und Karl Hirtenlehner (von links) haben einen Land- und Forsttechnikbetrieb: "Jede Bestellung wird nur noch online erledigt."

© KURIER/Elmar Gubisch

Reportage
09/15/2014

"Internet wie in den Neunzigern"

Die steirische Gemeinde Palfau ist der letzte Ort Österreichs, der noch keinen Breitband-Anschluss hat.

von Elisabeth Holzer

Ja, ist schon eine zähe Partie", sagt Simone und schaut von ihrem Mobiltelefon auf. Instagram, Internet, WhatsApp? Alles ein bisserl langsam in Palfau, zu langsam. "Aber ich bin's gewohnt", grinst die Schülerin.

Was privat lästig ist, ist beruflich aber so richtig unangenehm. "Wir sind 20 Jahre hinten", ärgert sich Bürgermeister Andreas Danner, SPÖ: Palfau, ein malerischer 400-Einwohner-Ort an der Salza in der Obersteiermark, ist Österreichs einzige Gemeinde, die keinen Breitband-Internetanschluss hat. "Das ist Internet wie in den Neunzigerjahren."

Das liege wohl an der topografischen Lage Palfaus, vermutet Danner. "Weil sich’s nicht rentiert." Immerhin, ein privater Anbieter aus Niederösterreich versorgt die Gemeinde mittels Antenne und Spiegelung vom Hochkar mit einer brauchbaren digitalen Verbindung. "Dafür sind wir ihm dankbar. Sonst hätten wir noch analoge Modems mit 56 KB."

Breitband-Internet ist alltäglicher als vermutet. Die gängigen Geldautomaten etwa funktionieren nur noch damit. Deshalb musste der alte Bankomat 2010 abgedreht werden. "Die Firma hat ein Update gemacht, doch danach ist ohne Breitband nichts mehr gegangen", erinnert sich Danner. Ziemlich unpraktisch für eine Tourismusgemeinde ohne Bankfiliale: 18.000 Übernachtungen gibt es jährlich, die Gäste zieht es zu Natur, Rafting und Kajakfahren an die Salza.

Gemeinde zahlt mit

Mittlerweile hat der Ort wieder einen Geldautomaten, der über das Handynetz betrieben wird. "Noch", betont Danner. "Sollte die Firma das nicht mehr anbieten können, ist auch der weg." 7000 Euro schießt die Gemeinde übrigens jährlich zu, damit die Geldquelle nicht versiegt. "Wo gibt’s denn so was sonst noch? Eigentlich eine Frechheit." Ähnlich ist das Problem bei Bankomatkassen oder Kreditkartenlesern.

Dagmar Zwettler führt den "Stiegenwirt". Sie bietet zusätzlich Zimmer an und hat Platz für Seminare. Auch ihre Homepage muss stets gut gewartet sein, da 90 Prozent der Buchungen über Plattformen laufen. "eMail funktioniert, aber es ist mühsam und nervig. Kritisch wird’s, wenn Seminarteilnehmer Internet brauchen."

Auch WLAN werde von den Gästen erwartet. "Ich hab’s zwar. Aber wenn mehr als einer surft, brauchst an andere gar nicht zu denken. Irgendwie ist man so im Zentrum Europas damit am Arsch der Welt."

Zwei Fahrminuten weiter haben die Brüder Josef, Karl und Günther Hirtenlehner ihren Betrieb, Landmaschinen und Forsttechnik. "Ohne Internet geht absolut gar nix mehr", wehrt Josef Andeutungen ab, dass früher doch auch einmal Post, Telefon und Fax gereicht habe. "Das ganze Bestellwesen, die Ersatzteile, die kriegst von den Firmen nur noch über Online-Formulare im Internet."

Als die Firma neue Computer bekam, meinte der Techniker, mit der Software-Einspielung in einer Stunde fertig zu sein. "Er hat fünf gebraucht, weil bei uns alles so langsam geht", schildert Günther Hirtenlehner. Die Unternehmer fühlen sich im Stich gelassen. "Wir sind zwar ein kleiner Betrieb, aber wir sind auch Arbeitgeber und zahlen Steuern."

Aus dem Verkehrsministerium kommt keine Antwort, die die Palfauer freuen wird. Ob der Telekom-Betreiber einen Ausbau plane, "können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen", hieß es auf Anfrage. Doch mit der "Breitbandmilliarde" soll bis 2020 eine flächendeckende Versorgung gegeben sein, das gelte auch für Palfau.

Bürgermeister Danner zeigt trotz allem Sinn für Humor: 2015 gäbe es sowieso keine Gemeinde mehr ohne Breitband, denn Palfau fusioniere mit den technisch versorgten Hieflau und Landl. "Es löst kein Problem, ist aber gut für die Statistik."

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