Hasnaa (14), Melisa (16) und Livi (15)

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Lokalaugenschein
03/11/2017

Rauchverbot unter 18: "Es rauchen trotzdem alle"

Zur Zigarette greifen viele Jugendliche trotz Verbot.

von Anna Hlawatsch, Birgit Seiser

Es stinkt, verschlingt viel Geld und ist vor allen Dingen nicht gesund – und trotzdem hängen Millionen Menschen mit Leidenschaft an ihrer Zigarette. Das leidige Thema um Verbote im Zusammenhang mit Tabak-Konsum führte in den vergangenen Jahren zu Gesetzesänderungen: Warnhinweise auf den Zigarettenpackerln, gefolgt von Schockbildern, Rauchverbote in der Gastronomie und Ausweispflicht in Trafiken.

Bis dato durfte man ab 16 Jahren Zigaretten kaufen. Nun wird eine weitere Gesetzesnovelle heiß diskutiert. Zukünftig soll der Griff zur Zigarette erst ab 18 Jahren erlaubt sein. Beim Treffen der Jugendlandesräte Ende März in Krems, soll eine Vorentscheidung fallen. Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hatte schon im Jänner den Vorschlag öffentlich gemacht. Und auch die verstorbene Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser (SPÖ) wollte die Zigarette ab 18. Viele Meinungen also von Menschen, die eine Gesetzesänderung aber nicht direkt betreffen würde. Der KURIER hat sich in Schulen umgeschaut, um Jugendliche zu befragen.

Vor dem Oberstufenrealgymnasium Hegelgasse in Wien sitzen mehrere Schüler und rauchen. Sarah und Leonard haben gerade Pause und nutzen diese für eine Zigarette: "Mit 16 Jahren darf ich schon meinen Führerschein machen und Alkohol trinken, aber rauchen nicht? Das finde ich sehr unsinnig", sagt Sarah. Schulkollege Leonard ergänzt: "Man weiß in diesem Alter, dass Rauchen schädlich ist. Das sollte man aber trotzdem für sich selbst entscheiden können."

Verbot erhöht den Reiz

Ähnlich sehen das auch Melisa, Hasnaa und Livia. "Jetzt haben wir darauf gewartet, endlich 16 zu werden und jetzt soll es wieder verboten sein", meint Melisa. Geht es nach den drei Mädchen würde ein Verbot den Reiz sogar noch erhöhen. "Und außerdem machen es trotzdem alle. Das würde sich nicht ändern. Man kann auch jetzt schon unter 16 an Zigaretten kommen." In der Schule gibt es aber keinen Raucherbereich mehr. Das ist in der Bundeshandelsakademie und Handelsschule in Wiener Neustadt anders.

"Rauchen ist ja nicht offiziell verboten", erklärt der Direktor Gerhard Janovsky. Trotzdem gibt es an der Schule als Prävention gegen Rauchen, auf den Toiletten im Schulgebäude seit der Renovierung einen eigenen Raucherhof, der abgegrenzt vom normalen Hof installiert wurde. Dort können die Schüler ihrer Lust nach Zigaretten frönen. "Natürlich dürfen trotzdem nicht alle rauchen", bekräftigt Janovsky, "denn wer zwischen der derzeit gesetzlich erlaubten 16 und 18 Jahren ist, der muss eine Raucherkarte beantragen und benötigt die Unterschrift seiner Eltern."

Insgesamt 34 hat die BHAS/BHAK davon unter ihren 930 Schülern in diesem Schuljahr verteilt. "Ich halte es für logisch sinnvoll, dass man den 16- bis 18-Jährigen das Rauchen verbieten will, die Frage ist nur, ob man sich da nicht auf eine Gratwanderung begibt, denn wer weiß, ob sie dann nicht gerade deswegen überhaupt zu rauchen beginnen", sagt Janovsky.

Eingriff in freien Willen

Worten denen der 17-jährige Jakob aus der 4bk nur beipflichten kann: "Ich find das orsch, dass zuerst die Gastbetriebe groß umbauen mussten, dann soll’s (das Rauchen, Anm.) auf einmal ganz in Gaststätten abgeschafft werden und jetzt sollen wir auch nicht mehr dürfen?"

Seinem Unmut macht sich auch sein Schulkollege, der 17-jährige Julian Luft: "Ich finde diese Regelung schlecht, das ist ein herber Eingriff in meinen freien Willen. Ich kann selber bestimmen, ob ich meinen Körper ruinieren möchte." Dem pflichtet die 17-jährige Nadine bei: "Ich hab mit 14 Jahren begonnen zu rauchen. Ich glaube, dass so ein Gesetz schwer durchzusetzen sein wird, weil es bis jetzt immer so war, dass man mit 16 rauchen durfte. Ich würde aufhören, wenn ich schwanger bin oder weil es mein Partner möchte, aber nicht weil es Gesetz ist."

Wie auch immer die Jungendlandesräte am 31. März entscheiden werden, die Zigarette ab 18 wird vermutlich noch für viele rauchende Politiker-Köpfe sorgen.