Martin Wirth betreibt Fitnessstudios in der Steiermark

© Elisabeth Holzer

Chronik Österreich
09/22/2020

Rätseln um Maskenpflicht im Fitnessstudio

Betreiber verunsichert: Gilt sie auch beim Wechseln zwischen den Geräten? Ministerium gibt aber Entwarnung.

von Elisabeth Holzer

Martin Wirth führt durch sein Fitnessstudio in Raaba, Graz-Umgebung, und deutet auf den Boden: Die Aufkleber, die zum Zwei-Meter-Abstand mahnen, sind noch immer da. Auch die Kreppklebebänder, die im Gruppenfitnessraum fein säuberlich für jeden Teilnehmer vier Quadratmeter Platz am Boden ausmessen, picken noch. "Wir halten noch immer die Abstandsregeln ein, die nach der Wiederöffnung gültig waren", betont Wirth. "Maßnahmen sollen lebbar sein."

Wann gilt was?

Allerdings pickt jetzt auch die jüngste Verordnung des Bundes, die für Wirth auf den ersten Blick nicht mehr "lebbar" war und ihn wie viele andere Fitnesscenter-Betreiber ratlos zurückließ: Wo gilt die Maskenpflicht nun genau? Nur beim Betreten des Studios? Beim Eingang? In der Garderobe? Oder gar wie die seit Montag geltende Maßnahmenverordnung annehmen ließ auch zwischen den einzelnen Trainingsstationen?

In dem Fall müsste ein Gast, der von der Beinpresse zur Klimmzugstange wechselt, für die drei Meter dorthin seinen Mund-Nasen-Schutz wieder anlegen. Um ihn beim Training am nächsten Gerät wieder abzulegen - denn nur die Sportausübung selbst ist von der Maskenpflicht ausgenommen.

Griff in das Gesicht

Wirth hofft auf Klarstellung durch die Politik. Und darauf, dass es nicht zum munteren "Maske rauf, Maske runter"-Sport im Fitnesscenter kommt. "Sonst verdirbt man auch noch den Leuten, die ins Fitnesscenter gehen und sich fit halten wollen, die Lust am Training", befürchtet Wirth. Das hätte nicht nur gesundheitliche Folgen, sondern auch wirtschaftliche für seine gesamte Branche. "Viele von uns kämpfen wirtschaftlich nach wie vor ums Überleben." Er allein habe durch die Schließung im Frühjahr zehn Prozent der Mitglieder verloren.

Abgesehen davon, dass man sich als Betreiber oder Trainer schwertue, so etwas zu kontrollieren oder gar zu exekutieren, befürchtet der Steirer auch gesundheitliche Folgen. "Von Beginn an hat uns die Regierung gesagt, wir sollen uns wenig ins Gesicht greifen wegen der Ansteckungsgefahr", erinnert sich Wirth. "Und jetzt würde ich Leute dazu bringen wollen, sich 25- bis 30-mal ins Gesicht zu greifen, weil sie die Maske verschwitzt rauf- und runtergeben?"

Ministerium präzisiert

Montagnachmittag kam dann die erhoffte Präzisierung seitens des Gesundheits- sowie des Sportministeriums: Beim Betreten der Sportstätte gelten Maskenpflicht und Mindestabstand. Das Wechseln zwischen den Geräten sei der Sportausübung zuzurechnen, hier müsse also kein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Studios brauchen zudem aber ein Präventionskonzept.

Rechtzeitig informieren

Wirth reagierte erleichtert auf diese Nachricht, wünscht sich aber gleichzeitig rechtzeitigere Information seitens der Behörden. Die jüngste Verordnung sei erst Freitagabend vorgelegen. Über das Wochenende sei Nachfragen kaum möglich. "Es ist ziemlich schwierig, auf eine Verordnung zu reagieren, die erst Freitagabend kommt – und wir sollen dann Montagfrüh schon alles tipptopp haben", ärgert sich der Steirer. "Das ist nicht nur ein Problem für uns, sondern für alle Gewerbebetriebe."

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