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Chronik Österreich
05/24/2020

Lockerung der Corona-Maßnahmen: Muskeltraining mit Maske?

In wenigen Tagen öffnen Österreichs Muckibuden wieder. Was dann erlaubt ist, weiß niemand so genau.

von Markus Strohmayer

Vergangenen Mittwoch gab Gesundheitsminister Rudolf Anschober bekannt, dass Fitnessstudios in Österreich am 29. Mai wieder aufsperren dürfen – ein Lichtblick für die von der Corona-Krise stark gebeutelte Fitnessbranche. Zum Ärger der Betreiber ist von der Regierung seitdem aber nichts Genaueres zu erfahren. Doch die Uhr tickt, immerhin soll ab kommenden Freitag österreichweit in mehr als 500 Fitnesscentern wieder geschwitzt werden. Branchenvertreter Gert Zaunbauer von der niederösterreichischen Wirtschaftskammer fordert deshalb verbindliche Regeln, denn die Betreiber bräuchten Zeit zur Vorbereitung.

Die sind tatsächlich recht planlos: „Wir wissen gar nichts. Es gibt nur Gerüchte, dass auf der Trainingsfläche zwei Meter Abstand gewährleistet sein muss“, erklärt Christian Zöbl von der Premium-Fitnesskette John Harris. Da die John-Harris-Studios über viel Fläche verfügen, sehe er hier kein Problem. Offen wäre hingegen, ob Wellness und Gruppenstunden erlaubt sein werden.

Wie groß die Nachfrage nach solchen Angeboten derzeit überhaupt ist, ist fraglich. In Deutschland, wo die Muckibuden teilweise schon wieder offen haben, zeigen Umfragen, dass viele Mitglieder mit einer Rückkehr aus Angst vor einer Covid-19-Infektion vorerst lieber abwarten. Aufgrund der unsicheren Situation kämpfen zahlreiche Studios mit Abmeldungen.

Aus epidemiologischer Sicht sei die Skepsis der Menschen nachvollziehbar, meint der Sportmediziner Roman Ostermann: „Die Ansteckungsgefahr beim Training im Freien ist sicher geringer als in geschlossenen Räumen.“ Gleichzeitig merkt er an, dass man sich nicht vor jedem Schweißtropfen fürchten müsse, besonders da zu Beginn wohl geregelt sein werde, wie viele Leute gleichzeitig trainieren dürfen.

Davon geht auch Andreas Pürzel, CEO von „Das Gym“ am Wiener Handelskai, aus. Er will seine Mitglieder online laufend informieren, ob Trainingsplätze frei sind. „Wir sind vorbereitet. Die Mitarbeiter tragen Masken und es wird alles desinfiziert.“ Nichtsdestotrotz wünscht er sich möglichst bald verbindliche Auflagen.

Duschen erlaubt

Aus dem Sportministerium heißt es, dass voraussichtlich am Dienstag oder Mittwoch eine Verordnung präsentiert wird. Die Ausarbeitung sei anspruchsvoll, da eine Reihe anderer Dienstleister, darunter Tanz- und Yogastudios, ebenfalls betroffen wären. Aktuell sei aber kein Zutrittsverbot für Garderoben oder Duschen geplant.

Gegenstand intensiver Beratung seien derzeit die Abstandsregeln. Diese sind speziell für kleinere Anbieter relevant. So verfügt das Fitnesscenter Rabenstreet in Wien-Landstraße, eines der ältesten Kraftstudios Österreichs, nur über 130 m² Trainingsfläche. „Das Schlimmste ist, dass ich unsere Athleten ständig vertrösten muss“, meint Obmann Ewald Rupp. Die kolportierten zwei Meter Abstand könne er unmöglich umsetzen.

Für kaum umsetzbar würde er zudem eine Maskenpflicht für Trainierende halten – laut Kurier-Informationen soll diese, abgesehen von den Mitarbeitern, aber auch kein Teil der Verordnung sein. Aus medizinischer Sicht wäre der Mund-Nasen-Schutz zwar sinnvoll, damit Infizierte ihre Viren nicht verbreiten – wie praktikabel das Training mit Maske ist, hinterfragt aber sogar Sportarzt Ostermann. Er rät prinzipiell zur Eigenverantwortung: „Im Fitnessstudio Sport zu betreiben, ist sicher besser, als sich aus Angst daheim einzusperren.“ Schließlich sei „zu Tode gefürchtet auch gestorben“.