Chronik | Österreich
16.07.2017

Pharmaindustrie: Engpass bei Impfstoffen

Drei Produkte sind in Österreich aktuell nicht verfügbar. Grund dafür sind die eng kalkulierten Kontingente und die wenigen Firmen, die die Wirkstoffe herstellen.

"Sehr geehrte Kunden! Leider sind aufgrund von Lieferengpässen die unten aufgeführten Impfstoffe nicht verfügbar…", steht auf einem Schild beim Tropeninstitut in Wien-Josefstadt. "Im Moment sind Impfstoffe gegen Polio/Diphtherie/Tetanus/Keuchhusten, Hepatitis A für Erwachsene und Polio zum Teil nicht erhältlich", erklärt Empfangsdame Anna Schied am Schalter. Und dieses Problem betrifft nicht nur das Tropeninstitut.

"Leider gilt der Engpass der Impfstoffe für ganz Österreich. Ausgenommen ist das Kinderimpfprogramm (für Kinder bis 15 Jahre, Anm.), für dieses Kontingent ist gesorgt. Aber am freien Markt fehlen immer wieder gewisse Impfstoffe", sagt Ursula Wiedermann, ärztliche Leiterin der Spezialambulanz für Impfungen an der MedUni Wien.

Die Engpässe kommen durch die Produktionsbedingungen zustande: "Durch Zusammenlegungen von Firmen gibt es nun nicht mehr so viele, die Impfstoffe herstellen. Oft produziert nur eine einzige Firma einen Impfstoff, die dann den ganzen Markt – europa- und weltweit – bedienen muss", erklärt Wiedermann. Da Österreich ein kleines Land sei, habe es keine hohe Priorität; größere Absatzmärkte würde man zuerst bedienen. Diese Problematik bestehe bereits seit ein paar Jahren. Gerade zur Reisezeit falle es aber vermehrt auf. "Die Herstellung von Impfstoffen ist nicht mit der von Medikamenten zu vergleichen. Sie dauert bis zu zwei Jahre. Wenn es plötzlich einen höheren Bedarf gibt, kann nicht einfach rasch mehr produziert werden", sagt Barbara Masser-Mayerl, die Sprecherin von GSK, einem der Hersteller von Impfstoffen.

Weltweit wird genau geplant, wie viel Impfstoff hergestellt wird. Mit Regierungen werden die Größen der Kontingente vereinbart, die aufgrund von Geburtenraten errechnet werden. "Wenn ein Land einen höheren Bedarf hat, kann ihm nicht mehr gegeben werden, weil es dann anderen Ländern fehlt", erklärt Masser-Mayerl.

Alternativen

Wiedermann erklärt die Vorgehensweise, wenn sich ein Engpass abzeichnet: "Dann wird gemeinsam mit der Regierung und dem Impfgremium bestimmt, wie die Impfversorgung dennoch aufrecht erhalten werden kann." Im aktuellen Fall etwa, wo das Vierfach-Präparat für Polio, Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten nicht verfügbar ist, wird auf eine Dreifach-Kombination zurückgegriffen – und Polio extra geimpft. Eine Alternative ist, auf Keuchhusten zu verzichten, was jedoch wegen des Anstiegs der Zahl der Erkankungen eher ungünstig sei.

"Richtig problematisch wird es, wenn Polio (Kinderlähmung, Anm.) gänzlich nicht verfügbar ist. Dann ist es ein richtiges medizinisches Problem – derzeit ist es ein logistisches", sagt Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Ärztekammer.

Statt des Impfstoffs Hepatitis A für Erwachsene könne jener für Kinder verwendet werden. "Man kann also Alternativen finden, aber es ist nicht immer der optimale Impfschutz", sagt Wiedermann. Im Laufe der Zeit sei es laut Schmitzberger auch schon zu Engpässen im Kinderimpfprogramm gekommen. Der aktuelle Engpass bestehe seit etwa einem halben Jahr. Leider senke es das Vertrauen in den Arzt, wenn Impfstoffe nicht vorhanden seien, sagt Wiedermann: "Die Impfbereitschaft ist ohnehin nicht optimal. Mit den Engpässen ist das keine gute Entwicklung."Wann die Stoffe wieder verfügbar sind, ist übrigens unklar.