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Der Pfarrwirt, ein himmlischer Ort in Heiligenstadt

Hans Schmid hat sich 2007 ein Wirtshaus gekauft und daraus eines der schönsten der Stadt gemacht.
Maximilian und Can, die Leiter des Service beim Pfarrwirt Heiligenstadt.

Von Achim Schneyder

Hans Schmid, einst als Gründer der Agentur „GGK“ einer der bekanntesten Werbeprofis im Land und heute Unternehmer, war und ist ein äußerst umtriebiger Zeitgenosse. 

So rief er beispielsweise die Zeitschrift „Wiener“ mit ins Leben, war Herausgeber des Kulinarik-Magazins „A la Carte“ und der Tageszeitung „AZ“, erwarb das Kaufhaus „Steffl“ auf der Kärntner Straße, war Präsident und Mäzen des Eishockeyvereins „Vienna Capitals“ und kaufte den Nachlass der von ihm bewunderten Lavanttaler Schriftstellerin Christine Lavant, um mitzuhelfen, dass diese nicht völlig in Vergessenheit gerät. Und nicht zuletzt wanderten – nebst vielen anderen Bildern – auch zahlreiche Werke aus der Sammlung Gugging in seinen Besitz.

Winzer und Wirt

Und schließlich wurde der ungemein kunstsinnige und überaus genussfreudige Hans Schmid auch noch Winzer und Wirt. Letzteres kommt insofern nicht ganz so überraschend, wuchs der 1940 in Villach geborene Hans doch mehr oder weniger in einem Wirtshaus auf, da seine Eltern am Leonhardsee ein solches betrieben.

Jahrzehnte später hatte es Schmid schließlich in Wien die einstige Landarbeiterunterkunft „Rotes Haus am Nussberg“ angetan, die inzwischen hauptsächlich für repräsentative Zwecke genutzt wurde, und er erwarb die Immobilie des Weinguts samt dazugehörigen Weingärten 2001. 

„Der Ausblick war’s, der mich so überrumpelt hatte“, sagt er heute. Und als 2006 das Weingut „Mayer am Pfarrplatz“ samt Heurigem im Beethovenhaus links der St.-Jakobs-Kirche folgte, schielte Schmid schon bald auch auf das ewig lang leerstehende „Gasthaus Zur schönen Aussicht“ rechts der Kirche.

Es lag an der Aura…

„Ich hab mit Pfarrer Michael wegen eines Kellers, der der Kirche gehörte, verhandelt, da hat er mir in einem Nebensatz verraten, dass sich ein Winzer aus dem Burgenland für das alte Gasthaus interessieren würde, und da hat’s bei mir klick gemacht. Ein burgenländischer Winzer im 19. Bezirk im Herzen des Wiener Weins? Nein, das geht gar nicht. Und dann hab ich um einen Schlüssel gebeten und mir das Gebäudeinnere angeschaut. Wie von einer auf die andere Sekunde verlassen, so hat’s da ausg’schaut. Als hätte im April 1945 einer gerufen: ,Alle raus, die Russen sind schon unten beim Bahnhof in Heiligenstadt’. Teller sind herumgestanden, Gläser und Karaffen mit eingetrockneten Rotweinresten, und in den Schubladen hinter der Schank hab ich Aspirin und Kleingeld und Krimskrams gefunden. Aber ich hab mich in der Sekunde in die unglaubliche Aura dieses Hauses verliebt.“

Also hat er das im Jahre 1180 als Berghof erbaute und im 17. Jahrhundert zu einem Barockhaus umgebaute Gebäude gekauft, restauriert und 2007 als „Pfarrwirt“ mit klassischer Wiener Küche wiedereröffnet. Und die genießt man seither nicht nur im ältesten, sondern wohl auch in einem der schönsten Wirtshäuser Wiens, das zudem bauhistorisch als eines der wertvollsten Häuser der Stadt gilt.

Ein kleiner Rundgang gefällig? 

Schon im Eingangsbereich stößt man an der Wand auf Rötelzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert, die ebenso gut erhalten sind wie die Steinportale und Steinfenster aus dem 14. Jahrhundert. Steht man schließlich im holzgetäfelten Schankraum, quasi dem Vorzimmer, sticht sofort das imposante sogenannte Fallenbild von Daniel Spoerri, dem 2024 verstorbenen Erfinder der Eat Art, ins Auge.

Maishendl und Risotto mit Eierschwammerln serviert beim Pfarrwirt.

Maishendl und Risotto mit Eierschwammerln.

Den Prälatensaal wiederum ließ Probst Ernest Perger 1711 mit hochwertigen Stuckaturen und einem ovalen Deckenbild schmücken, während die beeindruckende Holzveranda 1872 zur Pflege der Wiener Kaffeehauskultur geschaffen wurde. Und betritt man schließlich den Gastgarten, geht’s mit dem Schönfinden an der frischen Luft weiter.

Das Fallenbild von Spoerri war übrigens eine Auftragsarbeit. Schmid lud 2008 zu einem Festessen, und jeder Gast musste etwas mitbringen und auf den Tisch legen. Der Pfarrer etwa brachte ein Kreuz. „Und dann“, erzählt Schmid, „hat Spoerri plötzlich ,Alles aufstehen’ gerufen, und alle sind aufgesprungen. Ich hatte da gerade mein Geldbörsel auf dem Tisch liegen und durfte gerade noch Kreditkarte und Führerschein rausnehmen. Das Börsel blieb liegen, darauf hat Spoerri bestanden.“

Große Kunst gleich beim Betreten des Lokals: ein Werk von Eat-Art-Erfinder Daniel Spoerri.

Große Kunst gleich beim Betreten des Lokals: ein Werk von Eat-Art-Erfinder Daniel Spoerri.

Grundsätzlich sei es sein Ziel gewesen, gemeinsam mit dem Denkmalamt „ein Juwel aus diesem Lokal zu machen“, sagt Hans Schmid. „Das hat mich Unsummen gekostet, aber das war es mir wert. Ich hätte es mir auch leichter machen können und beispielsweise die alten Fenster in der Veranda gegen günstige neue tauschen, aber wir haben jedes einzeln ausgebaut, repariert, restauriert und wieder eingesetzt. Ich denke, das sieht man nicht nur, das spürt man auch.“ Tut man.

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