Chronik | Österreich
19.03.2018

"Petguard": Der erste Schutzbrief für Tiere

Neue Versicherung bezahlt unter anderem die Suche nach entlaufenen Haustieren.

Exakte und offizielle Zahlen gibt es nicht. Aber legt man die Zahlen aus dem deutschen Haustierschutzregister um, dann werden in Österreich rund 30.000 Haustiere pro Jahr vermisst – und zwar vom kleinen Vogel bis zum großen Hund.

Wer "Tier entlaufen" im Internet eingibt, wird jedenfalls auf viele Angebote stoßen, wie man seinen Liebling wiederfinden könnte: Plattformen zur Tiersuche, eine "Katzensuch-Anleitung", ein "Lost & Found" oder eine "Datenbank für vermisste und gefundene Katzen" finden sich hier unter anderem. Manche versuchen es mit einer Belohnung – andere setzen auf freundliche Mitbürger, die das Tier zurückbringen.

"38 Prozent der Tierbesitzer halten es für wahrscheinlich, dass ihr Tier eines Tages entlaufen oder gestohlen werden könnte", sagt Jean-Francois Diet. Der umtriebige Franzose, der in Wien lebt, hat dafür eigens eine Umfrage in Auftrag gegeben.

Diet war 16 Jahre lang Geschäftsführer der österreichischen Europ Assistance, die über Versicherungen wie die Generali eine Art Schutzbrief für Urlauber im Ausland anbietet: Über eine Hotline kann dort Hilfe in vielen Lebenslagen angefordert werden. Auch für Autos gibt es von ÖAMTC und ARBÖ den Schutzbrief bzw. den Sicherheits-Pass – und etwas ähnliches bietet Diet nun auch für Hund und Katz’ an. Denn ein Einsatz mit einem professionellen Suchhunde-Team kann durchschnittlich 1000 bis 2000 Euro kosten. Das ist den meisten Tierbesitzern naturgemäß zu teuer, da dies keine Versicherung bezahlt.

Der Beginn zählt

"Wir haben 60 Stützpunkte mit rund 250 einsatzgeprüften Suchhunden und Tierhaltern. Wir kooperieren etwa mit dem Kärntner Samariterbund", erklärt Alexandra Grunow vom Suchhundezentrum K-9. Wichtig sei, rasch zu reagieren: "Die ersten Stunden nach dem Entlaufen sind die wichtigsten. Was hier falsch gemacht wurde, kann später nicht mehr aufgeholt werden."

Gesucht werden von K-9 natürlich auch und vor allem Menschen. Bei Tieren habe man jedenfalls eine Erfolgsquote von 86 Prozent, wird betont. Benötigt werde ein sogenannter "Geruchsartikel wie eine Bürste, eine Decke oder ein Halsband des Lieblings", erklärt Grunow.

"Wichtig ist nur, dass alle Personen und Tiere, die den Gegenstand sonst noch berührt haben könnten, zu Beginn der Suche dabei sind, damit der Suchhund sie ausschließen kann und nur nach dem fehlenden Tier sucht." Dann geht die Suche bereits los.

Diets neues Projekt "Petguard" schließt allerdings nicht nur die Suche nach dem entlaufenen Haustier mit ein. "Ich wollte einen echten Schutzbrief erstellen", sagt er zum KURIER. So wird etwa auch die Rückholung von Tieren im In- und Ausland ermöglicht, oder eine Unterkunft für das Haustier organisiert und bezahlt, wenn der Besitzer einen Unfall erleidet oder wegen einer Krankheit ins Spital muss. Alle Kunden können sich an eine 24-Stunden-Hotline wenden, wenn es einen Notfall gibt.

Aktuell kostet ein entsprechendes Paket monatlich zwischen 7,77 und 9,99 Euro. Interessierte finden auch auf Facebook Informationen über "Petguard". Vorerst gibt es das Schutzpaket in Österreich und Deutschland.