Aufgrund des Favoritner Parkpickerls könnten Pendler nach NÖ ausweichen.

© /Katharina Zach

Leopoldsdorf
06/24/2016

Parkpickerl: Kollateralschaden in NÖ

Fährt die U1 bis Oberlaa, wird ein Pendleransturm befürchtet.

von Katharina Zach

Mit Argusaugen beobachtet Fritz Blasnek, Bürgermeister der Gemeinde Leopoldsdorf (Bezirk Wien-Umgebung) bei Wien, die Diskussion rund um ein mögliches Parkpickerl im benachbarten Favoriten. Ende 2017 fährt die U1 bis nach Oberlaa und damit bis fast zur Stadtgrenze. Die Befürchtung: Noch mehr Pendler, die ihr Auto im Bezirk abstellen. Für Favoriten ließe sich die Verkehrsproblematik mit dem Pickerl elegant nach NÖ abwälzen. Auf Blasneks Gemeinde könnte damit aber eine veritable Blechlawine zurollen. "Wir werden dann auf jeden Fall auch mit einer Kurzparkzone reagieren. Wir sind gewappnet", sagt er kämpferisch.

Aktuell fahren zigtausende Pendler aus dem Osten und Süden mit dem Auto nach Wien. Wo sie alle parken sollen, ist bei den Stadtplanungen Nebensache. Die Pendler sollen schon in Niederösterreich auf Öffis umsteigen. In Favoriten, bei der neuen U1-Endstation Oberlaa, warten vorläufig lediglich 180 P&R-Stellplätze. Erst 2020, immerhin drei Jahre nach der U1-Eröffnung, soll eine Garage mit 350 Plätzen fertig sein. 750 weitere hätten beim Verteilerkreis entstehen sollen. Doch Bautermin gibt es keinen.

"Das ist eindeutig zu wenig", urteilt ÖAMTC-Verkehrsexperte David Nosé. "Man hätte die U1 gleich nach Rothneusiedl führen sollen. Wo man eine großzügige P&R-Anlage bauen hätte können", kritisiert er. Immerhin beschäftigt die spärliche Stellplatzzahl nun das für den U-Bahn-Ausbau zuständige Büro der Stadträtin Ulli Sima. Man habe starkes Interesse an P&R-Kapazitäten. "Wir schauen aktuell, was realisierbar ist, die Gespräche laufen", heißt es. Im Büro der Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou verweist man auf 1200 Stellplätze, die "langfristig" beim weiteren U1-Ausbau in Rothneusiedl entstehen sollen.

Parkplätze in Niederösterreich

In NÖ an der Stadtgrenze liegt die Leopoldsdorfer Rustenfeldsiedlung. Dort gibt es zahlreiche Parkplätze und quert man die Himberger Straße, befindet man sich in Wien und damit der Kernzone 100. Von der dortigen Busstation kann man ab 2017 voraussichtlich in fünf Minuten zur neuen U1-Endstation Oberlaa fahren. Gut für Pendler, aber schlecht für die Leopoldsdorfer.

Deshalb werde man im Falle des Parkpickerls im Umfeld der Haltestellen eine Kurzparkzone mit kostenlosem Anrainerparken einführen, erklärt Blasnek. Er nimmt es der Stadt Wien übel, dass die Verlängerung nach Rothneusiedl zugunsten der Therme nach hinten gereiht wurde."Auf das Thema Parken hat man keine Rücksicht genommen." Einspringen müssen die Niederösterreicher: Am Ortsrand könnte eine P&R-Anlage mit 400 Stellplätzen entstehen. Bus und Aspangbahn seien in der Nähe. Die müsste natürlich ausgebaut werden, meint Blasnek.

"Die U-Bahn kommt an den Stadtrand. Es ist daher klar, dass Lösungen gefunden werden müssen", betont Stadt-Umland-Manager Andreas Hacker. Er schließt nicht aus, dass es zusätzliche Regionalbusse geben muss. Dazu gibt man sich beim Land und dem VOR aber abwartend."Wenn sich zunehmender Bedarf herausstellt, werden wir Kapazitätserweiterungen prüfen", sagt ein Sprecher. Immerhin wird 2018 die Rad-Langstrecke Süd über die Favoritenstraße nach Leopoldsdorf führen und dort ins nö. Radnetz münden. Eine Alternative für Pendler – zumindest für sportliche.

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