Philippe und sein Vater Markus Kaufmann verließen nur Minuten vor dem Angriff die Promenade

© /Katharina Zach

Entkommen

Österreicher entkamen Angriff: "Nizza ist nicht mehr dasselbe"

Urlauber erlebten den Anschlag hautnah mit.

von Katharina Zach

07/15/2016, 06:09 PM

"Ich habe den Lkw nicht gesehen. Das war aber generell das Problem, weil der Lkw von der Masse an Menschen verdeckt wurde." Martin Wagner aus dem Burgenland erlebte das Attentat auf der Promenade des Anglais hautnah mit. Auch am Tag danach steht der 23-Jährige, der aufgrund der "European Innovation Academy" nach Nizza gereist war, noch immer unter Schock.

Der Jungunternehmer war mit vier Kollegen seines Start-up-Teams auf der Promenade, bestaunte das Feuerwerk. Danach machten sie sich auf dem Heimweg – in der Menschenmasse, die sich Richtung Haltestelle schob. Um schneller voran zu kommen, wechselte die Gruppe in eine Seitenstraße – eine Entscheidung, die ihnen vermutlich das Leben rettete. "Plötzlich haben wir drei Leute schreien hören: ’Schüsse, Lkw, rennt weg’", erzählt Wagner. Sie brachten sich in Sicherheit, kehrten dann aber doch noch mal um und sahen Menschen ab Boden liegen. "Wir wollten eigentlich Erste Hilfe leisten. Das konnten wir dann aber nicht. Wir waren zu schockiert."

Sofort nahm Wagner mit den zehn Österreichern unter den 450 Academy-Teilnehmern Kontakt auf, die alle unversehrt waren. Kollegen aus anderen Ländern wurden jedoch verletzt.

Zurück nach Österreich will Wagner noch nicht. "Ich glaube, dass das mit der Verarbeitung hier besser funktioniert", sagt er am Telefon. Am Freitag war er deshalb bereits auf der Promenade laufen. "Die Lage ist sehr bedrückend. Kleingruppen bilden sich auf den Straßen und sprechen über das Warum."

Andere Österreicher indes flogen am Vormittag nach Wien zurück. Bei der Ankunft in Schwechat fiel eine junge Frau ihrer Freundin weinend in die Arme, anderen war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben.

Fünf Minuten

Der 17-Jährige Philippe aus Krems war mit seiner Familie in Nizza auf Urlaub und entkam dem Anschlag nur um Minuten. "Das war pures Glück, wir waren wirklich genau da, wo alles passiert ist", erzählt er dem KURIER. "Ich bin heilfroh, dass mir nichts passiert ist." Auch seine Familie beschloss, nach Ende des Feuerwerks die Promenade zu verlassen. "Wir sind fünf Minuten, bevor der Lkw in die Menschen gefahren ist, gegangen", berichtet der 17-Jährige. Erst als er im Hotel die Nachrichten checkte, erfuhr er von dem Attentat. Sofort klingelte sein Handy Sturm – Freunde und Familie, die wissen wollten, ob es ihm gut geht. Am Tag danach habe sich Nizza verändert gehabt. "Die Lage ist dort jetzt sehr angespannt. Es ist nicht mehr dasselbe."

Ausnahmezustand

Auch der Journalist Martin Wolfram, der mit seiner Familie zu Mittag in Wien-Schwechat landete, spricht von Ausnahmezustand. Das Attentat erlebten sie glücklicherweise nicht mit. Der Heimweg war beschwerlich. "Die Promenade ist gesperrt, Busse fahren nicht, Taxis gibt es nicht mehr." Zu Fuß machte er sich dann mit seinen Eltern, vierjährigen Zwillingen und der älteren Tochter sowie deren Freundin zum Flughafen auf.

"Wir haben eine Stunde gebraucht. Zum Glück haben wir am Weg dann einen Einkaufswagen gefunden." Als er dann einen weißen Lkw gesehen habe – einen, der so ähnlich ausgesehen hat wie jener, den der Attentäter gefahren hat – sei das schon ein komisches Gefühl gewesen. "Man weiß jetzt, wie es denen geht, die zu uns flüchten und täglich islamistischer Gewalt ausgesetzt sind."

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