Warum Österreich nach wie vor keinen nationalen Krisen-Vorrat hat
Zusammenfassung
- Österreich hat im Gegensatz zu vielen anderen Ländern keine nationale Lebensmittel-Reserve, setzt aber auf ausreichende Lagerbestände durch landwirtschaftliche Familienbetriebe.
- Eine Studie sieht derzeit keinen Bedarf für staatliche Vorräte, empfiehlt jedoch, Landwirtschaft und Krisenvorsorge weiter zu stärken, insbesondere angesichts möglicher Dürren oder Blackouts.
- Für den Ernstfall rät der Zivilschutz zu privaten Vorräten an Wasser, haltbaren Lebensmitteln, Medikamenten, Bargeld und einem Kurbelradio.
Eine Pandemie hat Österreich schon hinter sich. Damals wurde vielen Bürgern bewusst, wie fragil die Versorgung mit Lebensmitteln ist – teilweise waren Gemüseregale tagelang leer, weil die Lieferketten nicht aufrechterhalten werden konnten. Es gibt Szenarien, die die Lebensmittelversorgung noch wesentlich schwieriger machen könnten, wie ein Blackout oder eine lang anhaltende Dürre.
Das Landwirtschaftsministerium gab deshalb 2023 eine Studie in Auftrag, die klären sollte, wie gut Österreich in Sachen Lebensmittel für den Ernstfall vorbereitet ist.
Teurer Vorrat
Hierzulande gibt es keine staatliche Lebensmittel-Reserve, wie in vielen anderen europäischen Ländern. Deutschland, die Schweiz, Slowenien, Tschechien, Estland, Finnland und Norwegen haben unterschiedliche Modelle, mit denen sie ihre Bevölkerung für einige Wochen oder sogar Monate versorgen könnten. Die Einlagerung der Lebensmittel ist allerdings teuer, weswegen Österreich bisher nicht auf eine nationale Vorratskammer setzt – und das ist auch nicht notwendig, wie die Studie zeigt.
Vertrauen in Bauern
Es gibt ausreichende Lagerbestände, wie Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei der Studienpräsentation sagte: „Österreich ist gut aufgestellt. Das liegt an den vielen landwirtschaftlichen Familienbetrieben.“ Es sei daher wichtig, die Landwirtschaft und die Ausbildung weiter zu fördern. Außerdem müssen Betriebe besser auf Krisen vorbereitet werden und die Notstromversorgung, Bewässerungssysteme und die Anpassung an den Klimawandel ausgebaut werden. Damit ist gemeint, mehr auf den Anbau von hitzeresistenten Sorten zu setzen. Das Klima ist nämlich eines der Hauptprobleme in Sachen Versorgung.
Dürre sehr wahrscheinlich
Konkret würde eine europaweite Dürre, die zwei Jahre andauert, einen Ausfall der Ernte von Kartoffeln, Getreide und Zucker von bis zu 70 Prozent bedeuten. Die Wahrscheinlichkeit, mit der so eine Dürre eintritt, wird von den Studienautoren als sehr wahrscheinlich eingeschätzt, ebenso wie die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts. Aber auch der Ausfall von Arbeitskräften aus dem Ausland stellt eine Gefahr für die Lebensmittelproduktion dar. Wenn die Grenzen für nur drei Sommermonate geschlossen wären, würden Ausfälle von bis zu 15 Prozent bei Fleisch und Gemüse drohen. Ein Blackout würde vor allem eine Verknappung von tierischen Produkten bedeuten. Totschnig betonte in Bezug auf diese Szenarien, dass jeder Haushalt sich einen Vorrat anlegen sollte, um darauf vorbereitet zu sein.
Wenn ein Blackout das Land lahmlegt, ist es ratsam, einen Vorrat zuhause zu haben. Der Zivilschutz Österreich rät dazu, einen Wasservorrat für bis zu 14 Tage einzulagern. In Glasflaschen hält sich Trinkwasser länger, so muss der Vorrat erst später erneuert werden. Hat man keinen Vorrat da, sollte man bei einem Stromausfall sofort die Badewanne füllen. Neben haltbaren Lebensmitteln und Konserven müssen auch Medikamente auf Vorrat gekauft werden.
Ein Kurbelradio sichert die Versorgung mit Information und kann als Akku dienen. Weil im Ernstfall keine Kassensysteme funktionieren, sollte man außerdem Bargeld zuhause haben.
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