Österreich droht ein neuer Hitzerekord
Auch wenn sich der gestrige Sonntag selbst im Osten Österreichs zumindest bis in den frühen Nachmittag hinein nicht ganz so angefühlt hat: Wir befinden uns mitten der „größten Hitzewelle, die es je gegeben hat“, wie Geophysiker Gottfried Kirchengast vom Wegener Center in Graz errechnet hat.
Die dramatischen Auswirkungen der menschengemachten Klimakrise sind in ganz Europa spürbar, wo vor den massiven Waldbränden über 350.000 Menschen auf der Flucht waren. Während sich die Situation bei Bordeaux in Frankreich, wie auch in Spanien und der Türkei entspannt hat, kämpfen die Feuerwehren gegen einen Großbrand nahe Athen (Griechenland).
Dieser wütet rund um das dicht bewaldete Gebirgsmassiv von Kithairon, bei den Löscharbeiten sind zwei Hubschrauber abgestürzt. In Griechenland wurden 13 Personen wegen fahrlässiger Brandstiftung festgenommen. Die verheerenden Waldbrände in Regionen Spaniens seien weitgehend eingedämmt, fast alle Evakuierungsbefehle und Ausgangsbeschränkungen aufgehoben.
Wie schnell es gehen kann, zeigte sich aber am Samstag. Als ein Lastwagen an der Grenze zu Portugal in Brand geriet, griffen die Flammen sofort auf die Vegetation über, in Katalonien haben starke Winde einen fast eingedämmten Waldbrand wieder angefacht. Auch in Deutschland und England – dort in der Grafschaft Suffolk wegen eines naheliegenden Atomkraftwerks besonders gefährlich, allerdings unter Kontrolle – wurden zahlreiche Waldbrände verzeichnet.
Im Hackney (London) sind nur noch einige Cricket-Bahnen grün. Dürrenotstand wurde ausgerufen.
Häufiger enorme Brände
Für die Wissenschafter der Organisation „World Weather Attribution“ ist klar: Durch den menschengemachten Klimawandel ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Feuer so enorm ausbreiten, in Frankreich doppelt so hoch geworden, wie zuvor. In Spanien ist die enorme Ausbreitung eines Brandes sogar mindestens 20-mal wahrscheinlicher geworden. Waldbrände hielten am Wochenende auch die Feuerwehren in Österreich auf Trab. In Freistadt (OÖ) wurde die höchste Alarmstufe ausgelöst, beim Einsatz ging das Löschwasser aus, Anrainer halfen mit Güllefässern und Leitungen aus privaten Pools aus, in der Steiermark waren drei Brände ausgebrochen.
Die Jahrhunderttrockenheit seit Jahresbeginn sorgt zusammen mit der durch die extremen Temperaturen verstärkten Verdunstung im Wasserhaushalt von Flüssen und Seen für schwerwiegende Probleme. So hat Ungarn erstmals in 44 Jahren sein Atomkraftwerk Paks abgeschaltet – weil das zur Kühlung nötige Wasser aus der Donau fehlt.
Die Donau führt derzeit nur ein Drittel der für Juli durchschnittlichen Wassermenge. Ungarns Regierungschef Peter Magyar hat darüber hinaus per Verordnung verfügt, dass Großverbrauchern in der Industrie die Stromversorgung abgedreht werde, falls diese die erwartete Verringerung des Verbrauchs nicht umsetzen.
Das Kernkraftwerk Paks in Ungarn wurde abgeschaltet, weil die Donau zu wenig Wasser führt.
Niedrigster Pegelstand
Wenig Wasser führt – wie in Österreich – auch in Deutschland zu wirtschaftlichen Problemen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) führen deutsche Flüsse derzeit an vielen Stellen Niedrigwasser: Rund 44 Prozent der Messstellen im Rhein weisen extrem niedriges Wasser aus, 16 Prozent in der Elbe, 78 Prozent der Donau-Messstellen. In Köln wurde am Samstag der niedrigste Rhein-Pegelstand seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen: 67 Zentimeter – zwei Zentimeter weniger als im Oktober 2018.
Der Rhein ist teilweise trocken und weist bei Köln den niedrigsten je gemessenen Pegelstand auf.
Laut BfG führt der Klimawandel langfristig dazu, dass Niedrigwasserereignisse intensiver werden, weil mehr Wasser verdunstet. „Die Lage ist ernst. Der Rhein ist eine zentrale Schlagader für den Güterverkehr in Deutschland“, sagt Thilo Schaefer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Höhere Transportkosten seien die Folge, auf Straße und Schiene könne nur begrenzt ausgewichen werden – deshalb drohten Engpässe in Lieferketten. Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) forderte einen Krisenstab für die bedrohte Binnenschifffahrt.
Fische in Bedrängnis
In Österreich führt das Niedrigwasser in Seen und Flüssen zu Problemen für die dort lebenden Fische. Am Nussensee (OÖ), der wegen gefundener Kriegsrelikte gesperrt werden musste, läuft eine Rettungsaktion von Fischen, weil dieser auszutrocknen droht, berichtet der ORF.
Außerdem sei der angestammte Lebensraum für Fische wie Eschen oder Bachforellen in den Flüssen des Salzkammerguts – etwa der Traun – gefährdet, wenn die Wassertemperatur auf mehr als 20 Grad steigt.
Die Hitze führt auch zu einem enormen Wasserverbrauch. Paul Hellmeier, Chef von Wiener Wasser, spricht von einem noch nie dagewesenen Wasserbrauch in der Bundeshauptstadt, einzelne Gemeinden in Österreich haben längst das Autowaschen und Rasengießen verboten.
Die Rettungskräfte verzeichnen an Hitzetagen zehn Prozent mehr Einsätze, in der Hitzewelle im Juni wurden 395 zusätzliche Todesfälle in Österreich verzeichnet. Am Samstag kam es zu einem schweren Unwetter mit lokal heftigen Windböen im Bezirk Korneuburg (NÖ) und zu Murenabgängen in der Nockberg-Region (Kärnten).
Schutz vor der Hitze
Eine Petition der Grünen für einen besseren Hitzeschutz haben bereits mehr als 10.000 Menschen unterzeichnet. Besserer Hitzeschutz wird tatsächlich nötig sein. Die aktuelle Hitzewelle nimmt ab Montag – nach einer leichten Verschnaufpause am Sonntag – wieder Fahrt auf.
Laut Geosphere Austria wird es ab Montag überwiegend sonnig mit Temperaturen bis 39 Grad. Am Nachmittag steige die Schauer- und Gewitterneigung mit Schwerpunkt am Alpenhauptkamm an. Noch heißer wird es am Dienstag – im Osten soll es bis zu 40 Grad bekommen. Der deutsche Wetterdienst Kachelmannwetter sieht in seinen Modellen den Allzeitrekord von 40,5 Grad (Bad Deutsch Altenburg, 2013) wackeln.
Auch für Mittwoch und Donnerstag ist mit (fast) 40 Grad zu rechnen, erst am Freitag könnte es etwas abkühlen. Für einen Hitzetag (mehr als 30 Grad) wird es aber auch da allemal reichen.
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