ÖAMTC-Flugrettung erreicht 500.000 Einsätze – neue Stützpunkte und Nebelflug geplant
Klaus Schwarzenberger, COO der ÖAMTC Flugrettung und Marco Trefanitz, CEO der ÖAMTC Flugrettung.
Am 14. Mai dieses Jahres wurde die ÖMATC-Flugrettung zu ihrem 500.000sten Einsatz alarmiert. Geflogen wurde der Einsatz vom Christophorus 18, der in Frauenkirchen im Burgenland stationiert ist - es ging um einen neurologischen Vorfall im nördlichen Burgenland.
Das Einsatz-Jubiläum jedenfalls war Anlass genug, um in der ÖAMTC-Zentrale in Wien-Erdberg auch Fakten und Neuerungen zu präsentieren. „Der Flugbetrieb 24/7 ist mittlerweile Standard“, sagt Geschäftsführer Marco Trefanitz; es wird also auch in der Nacht geflogen. Und zwar an den Standorten im niederösterreichischen Krems sowie Niederöblarn und St. Michael, beide in der Steiermark.
Bald sollen zu den bestehenden 24/7-Standorten zwei weitere hinkommen - der erste bereits Ende des Jahres in Suben in Oberösterreich. Der Ort im Innviertel liegt an der Grenze zu Bayern, von dort soll dann auch ein Teil des bayrischen Raumes mitbetreut werden. Der zweite 24/7-Standort folgt 2027 in Wiener Neustadt.
Eine neue Generation an Hubschraubern
Für die kommenden Jahre liegt der Schwerpunkt auf neuen technologischen Möglichkeiten. Dazu zählt unter anderem die Modernisierung der Flotte mit der neuen Hubschraubergeneration H140, die gemeinsam mit Airbus entwickelt wurde. Sie sollen im Jahr 2028 erstmals eingesetzt werden und „die Versorgungssicherheit erhöhen“, wie Trefanitz sagt. Erstens kann der H140 längere Flugstrecken bewältigen und zweitens wird er über eine größere Kabine für die Betreuung der Patienten und Patientinnen verfügen.
Der H140 - die nächste Hubschrauber-Generation wird ab 2028 im Einsatz sein.
Fliegen im Nebel
Zusätzlich werden satellitengestützte Flugverfahren entwickelt, um Einsätze auch bei anspruchsvolleren Wetterbedingungen zu ermöglichen, etwa bei Nebel. Gemeinsam mit dem Innenministerium gibt es dazu ein EU-weites Projekt, wie Trefanitz informiert. Technisch sei das „wie mit dem GPS auf der Autobahn zu fahren“, es gibt fixe Luft-Korridore, die bei schlechter Sicht benutzt werden.
Darüber hinaus werden neue Einsatzformen geprüft. Ein möglicher zukünftiger Ansatz ist der Einsatz von Drohnen für den Transport medizinischer Güter zwischen Krankenhäusern.
Das Innenleben des H140: mehr Platz in der Kabine.
Herz- und Schlaganfälle
Welche Einsätze werden am häufigsten geflogen? „Der typische Verkehrsunfall ist das längst nicht mehr“, sagt Trefanitz - das sei nur in den ersten Jahren nach Gründung der Rettungshubschrauberflotte so gewesen. Heute dominieren neurologische und internistische Notfälle, also beispielsweise Schlaganfälle oder Herzinfarkte. Dazu hat die ÖAMTC-Flugrettung eine Studie in Auftrag gegeben. „Wir haben uns beispielhaft Herzinfarkt und Schlaganfall angesehen, weil beide Erkrankungen häufig mit schwerwiegenden Spätfolgen verbunden sind“, erläutert Trefanitz. „Durch die rasche Versorgung und den schnellen Transport in spezialisierte Zentren steigen die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung deutlich.“
Die Analyse zeigt zudem, dass sich die schnellen Transportzeiten auch volkswirtschaftlich auswirken. „Für jeden Euro, der in die Flugrettung investiert wird, ergibt sich ein Nutzen von rund zehn bis zwölf Euro. Ausschlaggebend dafür sind vor allem geringere Folgekosten durch vermiedene oder reduzierte Langzeitschäden“, so Trefanitz.
- Gründung: 1983
- Standorte: 24 Notarzthubschrauber-Stützpunkte
- Flottenstärke: 32 Airbus Helicopters H135
- Einsätze 2025: 21.650
- Flugminuten 2025: 666.800
- Einsatzbereitschaft: Täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang; Christophorus 2 (Krems), Christophorus 14 (Niederöblarn) und Christophorus 17 (St. Michael) im 24-Stunden-Betrieb
- Personal: 74 Pilot:innen, 381 Ärzt:innen, 159 Flugretter:innen, 74 Mitarbeiter:innen in Wartung und Technik (HeliAir), 56 in Verwaltung und Ground Operation
- Alarmierung: Notruf 144
- Weitere Informationen: www.oeamtc.at/flugrettung
Freizeitsportler am Berg: „Bitte versichern“
Einsätze wie die oben genannten werden übrigens mit der Sozialversicherung verrechnet. Bei Alpin-Einsätzen sei das nicht so, sagt Trefanitz. Er appelliert daher an Freizeitsportler, sich entsprechend zu versichern. Für Einsätze im alpinen Raum klettern die Preise für eine Hubschrauber-Rettung rasch auf 10.000 Euro und mehr, auch deshalb, weil hier längere Flugzeiten anfallen, wenn etwa Personen gesucht werden müssen. Und auch, weil Taubergungen entsprechend zeitaufwendig sind.
Im Normalfall kostet ein Hubschrauber-Einsatz um die 5.000 Euro.
Was Hubschrauber und Menschen gemeinsam haben, ist an diesem Tag auch kurz Thema: Hitze verursacht bei beiden einen Leistungsabfall. Bei den Hubschraubern sind das 10 bis 15 Prozent.
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