Polizist starbe bei der Hütteldorfer Straße

© KURIER/Gerhard Deutsch

Bilanz
03/04/2017

Noch nie so viel Gewalt gegen Polizisten

Erstmals mehr als 1000 Beamte durch Fremdeinwirkung verletzt.

von Dominik Schreiber

Die Zahl der Übergriffe auf Polizisten hat einen neuen Höchststand erreicht. Noch nie wurden so viele Beamte durch Fremdeinwirkung verletzt wie im Vorjahr – 1039 Beamte erlitten Verletzungen, zwei weitere wurden getötet. Einer davon wurde im Juli in der Hütteldorfer Straße (Wien) bei einem Billa-Überfall von einem Räuber erschossen, ein weiterer Kollege von ihm wurde im Jänner auf der Südautobahn bei Pörtschach (Kärnten) überfahren als er eine Unfallstelle absichern wollte. In weiteren 86 Fällen gab es laut dem KURIER vorliegenden neuen Zahlen des Innenministeriums schwere Verletzungen.

"Respekt nimmt ab"

Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Reinhard Zimmermann (FCG), sieht vor allem eine "kontinuierliche Abnahme des Respekts vor der Polizei" als Ursache für den Anstieg. Darunter hätten auch andere Berufsgruppen zu leiden, etwa Lehrer oder Zugbegleiter.

Interessant ist jedenfalls, dass die Gesamtzahl der Verletzungen über die vergangenen zwei Jahrzehnte relativ konstant bleibt (auch wenn es im Vorjahr eine Steigerung um fast zehn Prozent gab). Während also mehr Polizisten durch Fremdeinwirkung verletzt werden, gibt es weniger Dienstunfälle ohne fremde Beteiligung. Das wird auch im Innenministerium betont: "In Summe sind die Zahlen relativ stabil", sagt Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck. Die Auslegung sei je nachdem "wie man es interpretieren will". Man müsse das auf längere Sicht beobachten, aber Gefahren und Verletzungen seien "untrennbar mit dem Polizeiberuf verbunden, weil man sich gezielt in Situationen begibt, wo andere eigentlich weggehen."

Bessere Ausrüstung

Grundböck betont, dass zuletzt auch ein entsprechendes Ausrüstungspaket beschlossen wurde, dabei werden etwa beschusssichere Helme und feuerhemmende Einsatzoverals einegekauft. Geplant ist auch Sturmgewehr in jeder Funkstreife, bislang scheitert es aber noch am Einbau, weil die Waffen ein paar Zentimeter zu lang sind. Hier hofft man bei der Exekutive derzeit auf eine Sonderanfertigung mit kürzerem Lauf.

Gewerkschafter Zimmermann setzt allerdings auch auf eine Gesetzesverschärfung. Justizminister Wolfgang Brandstetter möchten den Strafrahmen für Tätlichkeiten gegenüber Polizisten von bisher sechs Monaten auf künftig bis zu zwei Jahre Haft erhöhen. "Vielleicht hilft das, weil so ein Angriff ist kein Kavaliersdelikt. Ich hoffe, dass die Justiz dann auch einmal hart durchgreift."

Experte warnt

Kriminalsoziologe Norbert Leonhardmair warnt vor einer vorschnellen Interpretation der Bilanz: "Man müsste sich auch anschauen, ob mehr Polizisten auf der Straße unterwegs sind." Er sieht jedenfalls keinen Rückgang des Respekts gegenüber der Polizei: "In Umfragen, welche Institutionen man vertrauen kann, ist die Polizei immer sehr weit vorne zu finden. Das hat sich nicht verändert in den vergangenen Jahren." Der Experte hält es für denkbar, dass dies auch in Zusammenhang steht mit einer Zunahme psychischer Erkrankungen.

Fest steht, dass jeder Polizist im Durchschnitt alle 15 Jahre im Dienst zumindest leicht verletzt wird. Im Laufe seiner gesamten Karriere wird jeder Beamte demnach auch einmal durch Fremdeinwirkung schwer verletzt.

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