Chronik | Österreich
03.12.2018

Neues Seilbahnprogramm: Skilifte zur Verkehrsentlastung

Schwarz-Grün rudert zurück, aber dehnt die Grenze für den Ausbau von Skigebieten trotzdem aus

Wochenlang hatten die Koalitionspartner verhandelt. Am Schluss wurde der Kompromiss im Streit um das „Tiroler Seilbahn- und Skigebietsprogramm“ (TSSP), dass die Ausbaugrenzen für Skigebiete festlegt, auf höchster Ebene zwischen Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und seiner grünen Stellvertreterin Ingrid Felipe in trockene Tücher gepackt.

„Wir schreiben das TSSP für die kommenden sechs Jahre fort“, erklärte Platter am Montag bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Der vor allem von Naturschützern kritisierte Entwurf für eine Neufassung des Programms ist damit vom Tisch. Vielmehr wird das bisher gültige novelliert.

Herausgestrichen

Ein zentraler Passus, der die Grenzen für Zusammenschlüsse von Skigebieten aufgeweicht hätte, wurde ersatzlos gestrichen. Ein Erweiterung wäre damit möglich gewesen, „wenn ein Tal und/oder Rücken und/oder bis zu zwei Gebirgskämme beansprucht werden“.

Laut Alpenverein hätte das die Tür zu einem massiven Ausbau der Skigebietsflächen zumindest theoretisch geöffnet. Er sah daher eine Aushöhlung des eigentlich im TSSP festgeschriebenen Verbots von Neuerschließungen.

„Es gibt keine neuen Skigebiete und klare Grenzen für Skigebiete“, erklärte Platter am Montag einmal mehr. Man sei den kritischen Stellungnahmen im Begutachtungsverfahren nun aber entgegengekommen.

Ganz ohne Änderungen kommt die Fortschreibung des TSSP aber nicht aus. Denn als mögliche Variante für die Erweiterung eines Skigebiets werden, wie geplant, Zubringer zu Skigebieten von Ballungsräumen, allerdings ohne Talabfahrt, aufgenommen. Als eines von mehreren neuen Positivkriterien für die Genehmigung von Erweiterungen sollen Verkehrsverlagerungen durch neue Bahnen dienen. Denkbar sind somit Lifte aus dem Inntal direkt in Skigebiete, die eigentlich in staugeplagten Seitentälern liegen.

AV unzufrieden

„Von zwei großen Änderungen ist eine übrig geblieben“, sagt Liliana Dagostin von der Raumordnungsabteilung des Alpenvereins. Sie will sich die Neufassung des TSSP im Detail anschauen. Erst dann könne bewertet werden, wie sich die ebenfalls kritisch gesehenen Zubringerbahnen auswirken könnten.

„Ich bin sehr froh, als Naturschutzlandesrätin weiter auf das bewährte TSSP bauen zu können“, sagte Ingrid Felipe am Montag zu dem Kompromiss und betont: „Kein Seilbahnprogramm hätte geheißen, kein Neuerschließungsverbot.“ Ohne die neue Verordnung wäre das bisher gültige Programm am 31. Dezember ausgelaufen.

Josef Schrank vom WWF ist weniger begeistert über den Schritt der Koalition. „Damit drückt sich die schwarz-grüne Landesregierung vor einer echten Neuverhandlung ihres in der Begutachtung glatt durchgefallenen Entwurfs. Stattdessen wird jetzt das alte Programm aufgeweicht, um weitere Ausbaupläne leichter durchboxen zu können.“

Bereits das nun verlängerte TSSP habe grundsätzlich gigantische Zusammenschlüsse, wie den geplanten zwischen dem Pitztaler und dem Ötztaler Gletscher, ermöglicht, so Schrank.