So soll die Strecke aussehen

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Chronik Österreich
07/05/2022

Neue Straßenbahn für Graz: Weichenstellung für den 8er

Rund drei Kilometer Trasse werden errichtet, die Linie führt bis in den Südwesten der Stadt.

von Elisabeth Holzer

„Die Verkehrswende geht nur mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs“, hält Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) fest, bevor sie das jüngste Projekt präsentiert: Die Stadt Graz bekommt eine völlig neue Straßenbahnlinie, damit wird das Netz um die neue Südwest-Linie beziehungsweise Linie 8 erweitert.

Vier mögliche Varianten wurden von Stadtbaudirektion und Verkehrsplanern untersucht, die sich nun für die Trassenführung entschieden haben. Sie führt vom Verkehrsknotenpunkt Jakominiplatz über Radetzkystraße, Roseggerkai und Augartenbrücke bis zum Griesplatz, der mit dem Bau der Straßenbahn auch gleich umgestaltet werden soll.

Von dort geht es weiter in die Karlauerstraße, wo ein Einkaufszentrum an das Tramnetz angeschlossen wird, danach bis zum Nahverkehrsknoten Don Bosco. Dort hält auch die S-Bahn, die aus dem Umland in die Stadt führt. Bisher war dieser Teil von Graz öffentlich nur mit Bussen erschlossen.

„Das ist ein wesentlicher Teilabschnitt, der diesen Bereich der Stadt fundamental verändern wird“, ist Schwentner überzeugt. Bis allerdings die ersten Fahrgäste in die Linie 8 einsteigen können, dauert es: Verkehrsplaner Martin Bauer kalkuliert mit einem Fertigstellungstermin 2030. Bis 2023 soll das Detailkonzept erstellt werden, außerdem müssen private Grundstücke entlang der Strecke erworben werden.

Zudem steht die Finanzierung noch nicht: Wie bei der Entflechtungsstrecke für die Innenstadt will die Vizestadtchefin auch dafür den Bund an Bord holen. „Wir bemühen uns auch hier um eine 15-a-Vereinbarung“, betont Schwentner, also um eine Mitfinanzierung durch das Infrastrukturministerium. Das kann allerdings nur mithilfe des Landes passieren: Solche Vereinbarungen sind Bund-Land-Verträge, sie können nicht mit Städten abgeschlossen werden.

Rund drei Kilometer lang wird die neue Strecke sein, die 12.000 Menschen zum Umsteigen in die Straßenbahn bewegen soll. Die Garnituren sollen laut Verkehrsplaner Bauer zu einem guten Teil auch auf eigenen, vom Kfz-Verkehr abgetrennten Straßenteilen verkehren. Wo Mischnutzung der Fläche nicht verhindert werden kann, sollen angepasste Ampelregelungen der Straßenbahn Tempo verschaffen. Mit dem Neubau der Tramlinie will Schwentner auch eine Radwegoffensive in diesen Straßenzügen verknüpfen.

Eher zugeknöpft sind Schwentner und Bauer aber bei der Frage nach dem Geld. Die Kosten für die vier evaluierten Trassen betrugen jeweils zwischen 80 und 100 Millionen Euro, die nun ausgewählte Trasse komme auf 92 Millionen Euro, rechnete Bauer vor – allerdings kalkuliert auf Preisbasis 2020. Angesichts der derzeitigen Lage – Stichwort Teuerung – ließen sich die zu erwartenden Kosten aber momentan nicht seriös beziffern, bedauerte Bauer.

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