Chronik | Österreich
16.08.2018

Neue Sportschule ohne Turnsaal

Das Land Vorarlberg würde mitzahlen. Trotzdem will der Bund in Dornbirn ein Sportgymnasium ohne Turnhalle bauen

Über ein Vierteljahrhundert lang ist das Sportgymnasium Dornbirn bereits ein Provisorium. Die Schüler werden auf dem Messegelände der Stadt unterrichtet – zum Teil in Containern. „Im Winter ist es kalt, im Sommer ist es heiß und teilweise regnet es rein. Das ist kein Zustand“, sagt Michael Zangerl, Leiter der Sportabteilung des Landes Vorarlberg.

Das Ende dieses „Zustandes“ hätte eigentlich spätestens 2019 mit dem Start eines Neubaus beginnen sollen. Bereits vor zwei Jahren wurde ein neuer Standort für das Sportgymnasium gefunden, die Finanzierung durch den Bund zugesagt. Doch bis heute gibt es weder eine Detailplanung, noch ist ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Denn seit Monaten gibt es ein Gezerre um die Ausgestaltung des neuen Gebäudes.

Neos-Anfrage

Das hat den Vorarlberger Neos-Nationalrat Gerald Loacker nun zu einer parlamentarischen Anfrage an Bildungsminister Heinz Faßmann veranlasst. Loacker will wissen, warum der Bund beim Neubau eines Sportgymanasiums weder ein Turnsaal noch einen Bewegungsraum oder eine Kraftkammer einplant.

Das ist auch der Grund, warum das Land – obwohl nicht für Bundesschulen zuständig – in die Causa involviert ist. „Wir sehen es als notwendig an, dass es am Standort zumindest eine kleine Halle geben muss, die unkompliziert genutzt werden kann. Der Bund steht auf dem Standpunkt, dass es bereits genügend Sportflächen und Sportstätten in Dornbirn gibt“, sagt Zangerl. Derzeit würde der Ball hin- und her gespielt. „Ich gehe davon aus, dass der Raum kommt. Die Frage ist nur, wer zahlt.“

Das Land ist bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. „Aber der Bund will gar nichts zahlen“, berichtet Zangerl vom Letztstand der Verhandlungen, von denen er hofft, dass sie bis Herbst abgeschlossen werden können. Bis dahin steht das Projekt jedoch still.

Loacker kann der Position des Ministeriums wenig abgewinnen, wonach es bereits genügend Trainingsalternativen für die Sportschüler geben würde: „Natürlich sind Hallen in der Nähe. Diese sind aber bereits gut ausgelastet.“ Der Nationalrat ist auch überzeugt, dass das Land bestimmt nichts mitbezahlen würde, wenn es genügend alternative Kapazitäten gäbe.

Kein Einlenken

Derzeit nutzen die Gymnasiasten unter anderem Sportstätten auf dem Dornbirner Messegelände, die vom neuen Standort nicht allzu weit entfernt sind. Dort seien vor wenigen Jahren Sporthallen „für das Sportgymnasium Dornbirn mit Millionenbeträgen“ errichtet worden, heißt es aus dem Büro von Minister Faßmann. Der Neubau erfolge zudem „auf einem Schulgelände, auf dem es bereits einen Turnsaal von der dort in Betrieb befindlichen HTL Dornbirn gibt. Dem Sportgymnasium stehen also ausreichend Möglichkeiten zur Verfügung“, sagt eine Sprecherin.