Chronik | Österreich
22.06.2017

Neue Killerdroge: Erster Todesfall in Österreich

Bereits bei Berührung ist Überdosis möglich. Bundes- und Landeskriminalamt ermitteln bereits und warnen eindringlich.

"Wenn ich die Wahl hätte, russisches Roulette zu spielen oder diese Droge zu nehmen, dann würde ich den Revolver nehmen. Da sind meine Überlebenschancen höher", meint ein Ermittler des Bundeskriminalamts. Tatsächlich handelt es sich bei U-47700 (Szenename "Pinky") um die härteste Droge, die je in Österreich aufgetaucht ist. Sie ist derartig dosiert, dass eine Menge von wenigen Milligramm reicht, um eine Wirkung zu erzeugen. Alleine die Berührung kann schon zur Überdosis führen.

Tod nach wenigen Sekunden

Das Landeskriminalamt Kärnten bestätigtet gegenüber dem KURIER den Fall eines Linzers, der am 15. Mai in den Räumlichkeiten einer Therapiestation gestorben war. Als sich der 38-Jährige die Nadel gesetzt hatte, schaffte er es nicht einmal mehr, sie aus seinem Arm zu entfernen. U-47700 wirkte in Sekunden letal.

Laut KURIER-Informationen soll die gesamte "Kundschaft" der Ambulanz, die dort im Rahmen von "Therapie statt Strafe" ist, versorgt worden sein. Es wurden mehrere Drogentests durchgeführt, allerdings verliefen diese negativ. Denn "Pinky" wird dabei nicht erkannt.

In China hergestellt

Die Droge ist erst seit einigen Monaten auf dem Markt und soll für Dutzende Todesfälle in den USA verantwortlich sein. Auch der Sänger Prince dürfte bei seinem Tod Spuren von U-47700 in seinem Blut gehabt haben. Es ist noch nicht einmal ganz geklärt, ob "Pinky" verboten ist. Die Droge wird in China hergestellt und über das Darknet um 30 Euro pro Gramm vertrieben. Das Bundeskriminalamt ermittelt derzeit die Verkäuferroute.

Zweites Opfer?

Es soll noch einen zweiten "Pinky"-Todesfall geben. Gottlieb Türk, Leiter des LKA Kärnten, spricht vorerst nur von einem bestätigten Fall: "Da haben unsere Umfeldermittlungen ergeben, dass U-47700 im Spiel war. Nähere Auskünfte gibt es erst nach Abschluss der Ermittlungen, bis dato ist nämlich Fremdverschulden nicht zur Gänze ausgeschlossen."

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt hat eine Obduktion und eine chemisch-toxikologische Untersuchung beauftragt. "Wir erwarten Ergebnisse in zwei Wochen", sagt Sprecherin Tina Frimmel-Hesse.

Türk betont, dass sich U-47700 in der Kärntner Drogenszene zu einem "Riesenproblem" entwickle. "Der Stoff ist für jedermann im Internet erhältlich", ergänzt er.

"Wenn man auch nur kleine Mengen dieses Stoffes in der Schuhsohle einschleust, kann man 100 Süchtige damit versorgen", schildert ein Ermittler. In der betroffenen Therapiestation wollte man nur soviel sagen: "Uns sind die Hände gebunden, weil der Stoff selbst bei Harn- und Bluttests nicht nachweisbar ist. Andererseits ist er aber sehr leicht zu beschaffen und leider sehr gefährlich."

"Nahtoderfahrung"

Sogar Heroinabhängige warnen in einschlägigen deutschsprachigen Foren vor dieser noch kaum erforschten Droge, die achtmal so stark wie Heroin sein soll: „U-47700 nehmen ist nur für Leute, die zumindest eine Nahtoderfahrung haben möchten“, warnt ein Süchtiger. Diese extrem starken Mittel können gespritzt, aber auch geschluckt oder gesnifft werden. Eine berauschende Wirkung ist ab geringen 0,5 Milligramm möglich. Konsumenten sprechen davon, dass sie noch Tage nach der Einnahme auch bei anderen Drogen starke Nebenwirkungen verspürten.