Chronik | Österreich
11.08.2018

Neo-Kapitäne chancenlos: Keine Motorbootlizenz frei

Seit 2016 gab niemand seine Bewilligung ab, an Verordnung wird dennoch nicht gerüttelt

Die Hautevolee am Wörthersee und an all den anderen Kärntner Badegewässern kann sich beruhigt zurücklehnen: Motorbootlizenzen bleiben in den Händen der Reichen und Schönen, sind nichts für „gewöhnliche“ Bürger. Seit im Herbst 2016 die neue Kärntner Schifffahrtsverordnung erlassen wurde, ist keine einzige Bewilligung zum Steuern eines Motorbootes für die Allgemeinheit frei geworden.

Jahrzehntelang war es gängige Praxis, dass in Kärnten Bootslizenzen unter der Hand für Hunderttausende Euro gehandelt wurden und den Betuchten vorbehalten waren. Landesrat Rolf Holub (Grüne) wollte diesem Treiben ein Ende bereiten und boxte eine neue Verordnung durch: Bewilligungen, die nicht mehr benötigt werden, müssen inzwischen dem Land ausgehändigt werden. Neue Bewerber können diese um eine Meldegebühr von 100 Euro erwerben. Soviel zur Theorie.

6700 Menschen ließen sich in einem Online-Vormerksystem registrieren und rittern seitdem um 1069 Zulassungen, 444 für Motor- und 625 für Elektroboote. Allerdings wurden seit 2016 lediglich fünf „Nummern“ frei. Drei für den Wörthersee und zwei für den Ossiacher See – allesamt Lizenzen für Elektroboote, wohlgemerkt. Tausende Interessierte werden ihren Traum als Motorboot-Kapitän nie leben können.

Für Experten ist diese Bilanz wenig verwunderlich. „Niemand gibt seine Motorbootlizenz freiwillig her. Es könnte höchstens passieren, dass ein Besitzer den Termin für die Fahrzeugüberprüfung versäumt“, sagt Wolfgang Schmalzl, Präsident des Motoryachtclub Kärnten. Insider verraten, dass die Verordnung genügend Schlupflöcher aufweist: So können Zulassungen vererbt oder in eine Stiftung eingebracht werden. Auch die Registrierung eines zusätzlichen Verfügungsberechtigten ist gestattet.

Verordnung bleibt

Das Land will dennoch nicht an der Verordnung rütteln. „Es handelt sich um die demokratischste, transparenteste und fairste Lösung, weil mit dem Vormerksystem dem illegalen Handel um die Lizenzen ein Riegel vorgeschoben wurde“, heißt es aus dem Büro des derzeit zuständigen Landesrates Ulrich Zafoschnig (ÖVP). Die Wartelisten sind übrigens nicht öffentlich einsehbar, nur der jeweilige Antragsteller kennt sein Ranking – aus Datenschutzgründen, und weil ansonsten der Handel zwischen Vor- und Spätgereihten blühen könnte, lautet die Begründung.

Thomas Martinz