© Bundesheer/Bernhard Goritschnig

Chronik Österreich
10/28/2020

Napoleonische Kriege: Feldlager in Niederösterreich entdeckt

Das Bundesheer wollte eigentlich Sprengfallen aufspüren, machte dann aber einen archäologisch bedeutsamen Fund.

von Markus Strohmayer

In Felixdorf (Bezirk Wiener Neustadt) ist ein vermutliches Feldlager der französischen Armee aus dem Jahr 1805 entdeckt worden. Mitarbeiter des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik (ARWT) des Bundesheeres, des Ludwig-Boltzmann-Instituts und der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) haben bei der Erprobung von Sensortechniken am dortigen militärischen Schießplatz nicht nur wie geplant Kampfmittel, sondern auch die archäologischen Fundstücke entdeckt.

Dann wurde das Bundesamt für Denkmalschutz informiert, in den vergangenen Tagen fanden Grabungen statt. Die erste Annahme, dass es sich um ein Schlachtfeld handeln könnte, wurde rasch verworfen, da keinerlei menschliche Überreste zu finden waren. Stattdessen wurden Gruben freigelegt, in denen die „Grande Armée“ wohl aus Witterungsgründen ihre Zelte stehen hatte. Ebenso wurden große Mengen an tierischen Knochen und Keramikgefäßen gefunden, die auf die Verpflegung der Soldaten hindeuten.

Es handelt sich dem Ministerium zufolge um den bisher einzigen belegten Fall eines Feldlagers der „Grande Armée“ in Österreich. Dass der zeitliche Ursprung der Artefakte so genau bestimmt werden konnte, ist dem Fund eines Messingknopfs zu verdanken – die zu dessen Herstellung eingesetzte Löttechnik lieferte den Forschern den entscheidenden Hinweis.

Erst der Anfang

Viele Fragen sind aber noch offen: So weisen die entdeckten Keramiken bzw. deren Muster eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem heute so bekannten Gmunder Keramik auf. Ob es sich dabei um frühe Vorgänger handeln könnte, müsse aber erst analysiert werden – momentan stehe man ganz am Anfang.

Ein Bild vom aktuellen Stand hat sich am Mittwochnachmittag jedenfalls Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) gemacht. Gemeinsam mit Vertretern der französischen Botschaft hat sie den den archäologischen Fund auf dem Übungsplatz besichtigt.

Tanner lobte das wissenschaftliche Engagement der Bundesheer-Experten: „Die Forschung ist ein wichtiger Teil eines modernen Bundesheeres.“ Im Frühjahr 2021 sind weitere Grabungen geplant.

 

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