Chronik | Österreich
16.11.2018

Nach Krampus-Eklat: Wenn einer trinkt, fahren alle heim

Null Toleranz und 0,0 Promille/In Villach wurden 110 Krampusvereine für Umzug aussortiert

Am Wochenende werden sie wieder durch die Straßen ziehen, die zotteligen, furchteinflößenden Gestalten. Und die Veranstalter der Perchtenläufe werden sich angesichts des aus dem Ruder gelaufenen Umzuges am vergangenen Samstag im Kärntner Rennweg fragen, ob der Sicherheit genüge getan wurde.

Absperrgitter zählen zur Tagesordnung, um Krampusse und Zuschauer zu trennen, die Rute muss stecken bleiben und die Maskierten dürfen nicht über den Durst getrunken haben, das wird bereits in vielen Gemeinden mit Alko-Vortestgeräten kontrolliert.

Zahlreiche Schritte weiter geht Villach. Dort hat das Stadtmarketing als Veranstalter des Perchtenlaufes am 30. November ungewöhnliche Maßnahmen getroffen, die über ein Feuerverbot oder Absperrgitter hinausgehen: Was die Polizei im Verkehr erlaubt, ist in der Draustadt nämlich nicht Maßstab. „Bei unseren Perchten gilt 0,0 Promille“, sagt Reinhard Wastl vom Stadtmarketing. Bevor der Umzug beginnt, werden die Maskierten stichprobenartig kontrolliert, alkoholisiert wirkende Gesellen sowieso.

Alle haften mit

„Wir stellen die Geräte zur Verfügung oder testen gegebenenfalls auch selbst“, erklärt Villachs Stadtpolizeikommandant Erich Londer. Schlägt der Alkomat an, kann sich der Betroffene aber die gesamte Veranstaltung abschminken. Er wird auch als Zuschauer aussortiert und aus dem Veranstaltungsgelände geleitet. „Mit ihm kann seine ganze Perchtengruppe zusammenpacken, egal, aus welchem Bundesland sie kommt. Die Personen werden von Securitys aus der Innenstadt geführt“, betont Wastian. Organe für dieses Begleitservice gibt es genug: 40 Sicherheitsleute, 15 Ordner und 20 Polizisten schieben Dienst.

Vergleichsweise gering ist indes die Zahl der teilnehmenden Krampusgruppen: 40 kommen heuer nach Villach, das 15.000 Zuschauer erwartet. In Rennweg, wo es vergangenen Samstag zu Schlägereien kam, waren 33 Perchtengruppen und 2200 Zuschauer anwesend. Das soll aber nicht heißen, dass der Villacher Umzug für die Zottelwesen unattraktiv wäre, im Gegenteil: 150 Clans aus ganz Österreich haben sich beworben, aber der Veranstalter hat alle auf Herz und Nieren prüft und 110 Gruppen durchfallen lassen.

Keine Neulinge

Man habe einen Stamm von Vereinen, die sich zu benehmen wüssten, erklärt das Stadtmarketing. „Neu gegründete Gruppierungen nehmen wir prinzipiell nicht, weil wir sie nicht einschätzen können“, meint Wastl. Alle anderen Bewerber werden exakt unter die Lupe genommen. Wastl: „Wir checken den Internetauftritt der Perchten, holen Infos bei befreundeten Veranstaltern ein und beobachten auch bei diversen Umzügen, wie sich die Gruppen dort aufführen.“

Höhepunkt des eineinhalbstündigen Spektakels in Villach am 30. November wird übrigens am Ende der Veranstaltung die schon traditionelle Demaskierung bilden. Damit will man Kindern das Brauchtum näher bringen und ihnen zeigen, wer hinter den furchterregenden Fratzen steckt.