Tradition in Baden: Seit 1576 wird in der Annamühle gebacken

Seit 450 Jahren wird in der Heiligenkreuzergasse bereits Brot gebacken. Das Gebäude hat sich dabei kaum verändert – ebenso wie die Liebe zum Handwerk.
Ein Mann in weißer Kleidung steht in der Tür einer traditionellen Bäckerei mit Holzläden und nostalgischem Schild.

Von Helena Weisz

Draußen ist es kalt und bewölkt, drinnen liegt der Geruch von frischgebackenem Brot in der Luft – und das schon seit dem Jahr 1576. Es ist ein geschichtsträchtiges Gebäude, in dem die Bäckerei und Konditorei Annamühle in Baden ihr Stammhaus hat.

Neben einer Fleischerei und einer Tischlerei war in den Gemäuern des Innenhofs auch einmal ein Bürgerspital beheimatet. Im Laufe der Jahre überstand das Haus vieles – die historische Fassade weist sogar Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg auf. Mittlerweile steht sie unter Denkmalschutz.

Gegenüber dem KURIER erzählt Manfred Schneider, Geschäftsführer der Annamühle, die Entstehungsgeschichte: „Sie können sich das in etwa so vorstellen: Eine alte Dame im Ort backt Brot und die Menschen holen das bei ihr ab – so war das damals.“ Daraus seien die ersten Bäckereien entstanden, viele davon familiengeführt, wie auch die Annamühle.

Seine Familie habe die Bäckerei 1967 gepachtet und 1987 in „Backhaus Annamühle“ umbenannt. Der Name – eine Hommage an die Mutter des Großvaters – musste eingängig und universell verwendbar sein. Zu viele Familien waren hier schon ein- und ausgegangen, deren unterschiedliche Namen das Haus geprägt hatten. Der Name „Anna“ sollte Zeit und Eigentümerwechsel überstehen.

Wir arbeiten in der Backstube viel mit Menschen, auch heute noch.

von Manfred Schneider

Geschäftsführer

Mensch statt Technik

„Wir arbeiten viel mit Menschen, auch heute noch“, erklärt Schneider. Das sei über die Jahre gleichgeblieben, auch wenn die Techniken und Rezepturen über die Jahre angepasst wurden. In der Annamühle bäckt man mit Natursauerteig – und das jeden Tag frisch, also auch an Sonn- und Feiertagen. Wichtig ist dem Team rund um Schneider, die historische Substanz des Hauses nicht zu zerstören. So soll auch das Interieur des Backhauses den Zeitgeist und das traditionelle Handwerk widerspiegeln: echtes Holz, Kalkstein und Granit prägen die Innenausstattung der ältesten Bäckerei der Stadt.

Im Innenhof des Backhauses befindet sich die sogenannte „nostalgische Backstube“, eine Art Museum für alte Geräte, die noch aus der langen Geschichte der Bäckerei stammen. Die Innenräume zieren Porträts der vielen Eigentümerfamilien des Gebäudes. Und noch etwas hat sich in den 450 Jahren, in denen die Mühle bereits als Bäckerei geführt wird, nicht verändert: Heute wie damals legt man großen Wert auf Regionalität – die Zutaten für das zubereitete Brot und Gebäck kommen vorrangig aus Österreich.

Wichtig für das langjährige Bestehen sind vor allem die Stammkunden, wie Schneider weiß. Denn das Backhaus profitiert viel von der Treue derer, die sich immer wieder für Kaffee und Kipferl in der Backstube treffen – und für diese bei Bekannten Werbung machen.

Am beliebtesten sei bei den Stammgästen des Backhauses das „Badener Kipferl“. Ein goldbraun gebackenes Germkipferl und ein echtes Original – ganz so wie die historische Annamühle selbst.

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