28 Prozent der Schüler sehen sich als Mobbing-Opfer

© Getty Images/iStockphoto/bodnarchuk/iStockphoto

Chronik Österreich
10/29/2019

„Mobbing und Gewalt werden sich in Zukunft noch verstärken“

Alarmierende Studie: Fast ein Drittel der Schüler war schon Opfer - und die Anzahl dürfte steigen.

von Elisabeth Holzer

Kinder und Jugendliche sehen die Sache klar: Ja, es gibt Mobbingopfer unter ihren Schulkollegen. Zwei Drittel von 500 befragten steirischen Schülern haben solche Fälle schon beobachtet. 28 Prozent geben in der jüngsten Studie der Arbeiterkammer Steiermark aber auch zu, selbst Opfer gewesen zu sein.

Studienautorin Claudia Brandstätter beschreibt dieses Ergebnis als alarmierend, denn die Anzahl der Betroffenen ist gestiegen. Bei einer ähnlichen Studie vor zwei Jahren gaben nämlich erst 16 Prozent der Schüler an, von (Cyber-)Mobbing betroffen zu sein. Das werde sich auch nicht ändern, befürchtet Brandstätter. „Mobbing, Cybermobbing und Gewalt durch Schüler werden auch noch die nächsten Jahre hinweg den Schulalltag bestimmen. Alle diese Bereiche werden sich auch in Zukunft verstärken.“

Drei Stunden online

Das dürfte in großem Maß auf Cybermobbing zutreffen, denn nahezu alle Schüler (konkret 95,7 Prozent) leben auch in der virtuellen Parallelwelt. Drei Stunden täglich verbringen sie durchschnittlich in sozialen Netzwerken. „Das macht es Mobbern leicht, aktiv zu werden“, warnen die Studienautoren und mahnen: Nicht unbedingt der frühe Besitz von Smartphones sei problematisch, sondern das fehlende Rüstzeug, damit umzugehen. „Das passiert, da viele Eltern selbst keine Medienkompetenz besitzen und ihnen das Wissen fehlt, welche Kontrollmöglichkeiten es gibt.“

Aus den Erkenntnissen der in Volksschulen und AHS-Unterstufen wie Mittelschulen durchgeführten Studie ergeben sich weitere Fragen: Woher kommt die hohe Anzahl an Betroffenen und was lässt sich dagegen tun? Die Studienautoren glauben, die erste Frage ganz gut beantworten zu können, denn sie haben auch Expertenmeineinungen eingeholt. „Die steigenden Zahlen entstehen auch, weil man plötzlich intensiv darüber redet“, lautete ein Kommentar.“

Vorbilder fehlen

Aber es gibt auch eine zweite Lesart. Ein befragter Experte sah „die fehlende Resilienz der junge Leute“ als Ursache, also die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne Hilfe zu überstehen. „Sie können keine Probleme mehr lösen, da dies von Erwachsenen erledigt wird.“ Jugendliche hätten kaum erwachsene Vorbilder und würden täglich von vielen Seiten mit Gewalt in der Sprache oder Respektlosigkeit konfrontiert.

Bleibt die Frage, was tun dagegen? AK-Präsident Josef Pesserl hofft, bei einer Diskussionsrunde am 3. Dezember geeignete Antworten zu finden. „Opfer und Täter müssen gut betreut werden“, fordert Pesserl. Prävention müsse schon im Kindergarten beginnen.