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Chronik Österreich
09/30/2020

Ministerin will Flächen für Insekten, Bauernvertreter sind dagegen

Die Bauernschaft protestiert gegen die Biodiversitätsstrategie 2030 von Ministerin Leonore Gewessler (Grüne).

von Martin Gebhart , Petra Stacher

Die Landwirtschaft zählt zu jenen Themen, in denen einiges an Konfliktpotenzial für die türkis-grüne Regierungskoalition steckt. Davon war bisher allerdings wenig zu bemerken. Seit die Biodiversitätsstrategie 2030 von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zum Schutz der Artenvielfalt in ihren Ansätzen auf dem Tisch liegt, formiert sich in der Bauernschaft Widerstand. Vor allem gegen das Vorhaben, Wiesen- und Waldflächen zu Schutzgebieten zu erklären, brach zu legen, um der Tierwelt – etwa den unzähligen Insektenarten – eine unberührte Natur zu bieten.

Den Ärger der Bauern deutete Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammern, im KURIER-Interview an. Zur Regierungsarbeit mit den Grünen merkte er an: „Wenn man sich im Tagesgeschäft an das Regierungsprogramm hält, dann ist das eine gute Grundlage, um auch in den nächsten Jahren wesentliche Themen für die Landwirtschaft zu erledigen.“ Nachsatz: „Bei der Biodiversitätsstrategie, die Frau Bundesminister Gewessler vorstellt, wird sich zeigen, dass so manches nicht ganz dem Regierungsprogramm entspricht.“

Deutlicher formuliert es NÖ Bauernbundobmann Stephan Pernkopf: „Landwirtschaftliche Flächen still zu legen würde bedeuten, heimische Arbeitsplätze zu vernichten und dafür mehr Lebensmittel zu importieren. Und das womöglich aus Ländern, wo dafür sogar der Regenwald niedergebrannt wird. Damit ist niemandem geholfen, das kann niemand wollen. Erdbeeren und Rindfleisch müssen nicht fliegen. Im Gegenteil, wir müssen die heimischen Lebensmittel forcieren, gerade die Corona-Krise zeigt uns das. Das sichert Arbeitsplätze und schützt die Umwelt.“

Waldbesitzer verärgert

Ähnlich reagieren die Waldbesitzer, da in der Unterlage des Ministeriums zu finden ist, dass weniger Holz geerntet und mehr Wälder außer Nutzung gestellt werden sollen. „Will Österreich den Ausstieg aus fossilen Rohstoffen ernsthaft forcieren, ohne dabei auf Importe angewiesen zu sein, muss eine nachhaltige und aktive Forstwirtschaft unterstützt werden. Wälder außer Nutzung zu stellen ist hier ganz klar der falsche Weg“, sagt Felix Montecuccoli, Präsident der Land-&-Forst-Betriebe.

Leonore Gewessler lässt sich auf ihrem Weg nicht beirren. Sie verweist auf das Umweltbundesamt, das davor warnt, dass etwa die Insektenvielfalt in Österreich zurückgehe. Österreich zähle mit seinen rund 68.000 Arten in der Tier- und Pflanzenwelt noch zu den artenreichsten Ländern Europas.

Gegenüber dem KURIER wollte Gewessler auf die Kritik der Bauern nicht direkt eingehen. Zur Strategie sagte sie: „Wir haben nicht nur eine Klimakrise, sondern auch eine Biodiversitätskrise und hier haben wir großen Handlungsbedarf. Eine intakte Umwelt ist die Voraussetzung für unser gesundes Leben. Analog zu den Zielen auf europäischer Ebene wollen wir Schutzgebiete ausweiten. 28 Prozent der österreichischen Fläche sind in irgendeiner Form unter Schutz gestellt. Wir wollen das auf 30 Prozent erhöhen und Flächen auch dauerhaft schützen. Wir müssen auch für die Landwirtschaft eine intakte Natur sichern.“

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