Fast 300 Pkw-Diebstähle konnten durch die Festnahme geklärt werden (Symbolbild).

© Roland Pittner

Diebstahl
05/19/2014

Millionenbetrug mit Autoteilen

Hunderte Autos gestohlen: Die Polizei wird künftig auf eBay und willhaben ermitteln.

von Dominik Schreiber

Hoch professionell“, „eine logistische Meisterleistung“ – die Ermittler der SOKO Kfz sind voll des Lobes für den mutmaßlichen Millionenbetrüger. Tatsächlich konnten die Beamten ein umfangreiches kriminelles Geschäft mit gestohlenen Ersatzteilen aufdecken. Nur durch Pech entkam der Organisator Andreas W. (31) den Ermittlern, denn eine parallel laufende Untersuchung der Finanzpolizei wegen Steuervergehen ließ ihn die Flucht ergreifen. Seither sitzt er auf den Philippinen – und beschwert sich von dort immer wieder telefonisch bei der Polizei darüber, dass „seine“ Motoren beschlagnahmt wurden. „Ich musste mir einen falschen Pass kaufen wegen des Fahndungsdrucks“, erklärte er zuletzt.

Hoher Jahresverdienst

Rund zehn Millionen Euro waren die gestohlenen Fahrzeuge wert, wobei die Beamten meinen, das sei die Spitze des Eisbergs. „Nur“ 291 Motoren konnten bisher zugeordnet werden. Das Geschäft dürfte allerdings vier Jahre lang gelaufen sein. Der durchschnittliche Jahresverdienst für W. lag bei knapp einer Million Euro.

Die Masche lief laut Polizei so: W. ließ sich aus Polen, Deutschland und Italien ausgebaute Teile von gestohlenen Autos liefern. „Die gestohlenen Fahrzeuge werden immer seltener komplett verkauft, sondern meist in Einzelteilen. Das ist leichter und bringt mehr Geld“, erklärt Christian Stella, Vize-Landespolizeidirektor des Burgenlandes. Über motorenprofi.at und Verkaufsplattformen wie eBay oder willhaben bot er die Motoren oder Türen an. Kurioserweise war auf den Fotos meist die Motornummer zu sehen. Dadurch konnten die Teile rasch zugeordnet werden.

Drei Personen sind in Haft. „Gegen weitere drei Tätergruppen in diesem Zusammenhang laufen noch Ermittlungen“, erklärte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner bei einer Pressekonferenz am Montag. Doch auch die Verkaufsplattformen werden künftig im Visier der Ermittlungen sein, kündigte Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt an: „Derzeit wird bei Europol eine Taskforce gebildet.“ Die Beamten werden dann eBay, willhaben und ähnliche Seiten scannen, um Betrügereien zu verhindern.