Hitzerekord: Wie genau wird da eigentlich gemessen?
Bei dieser unscheinbaren Messstation in Wien-Stammersdorf wurden am Dienstag 41 Grad gemessen.
Auf die Frage des menschengemachten Klimawandels wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst eingehen.
Nein, die Diskussion in diversen Internetforen des Landes entzündet sich aktuell schon an vermeintlich unstrittigeren Umständen. Nämlich an der Frage, ob die aktuellen Hitzerekorde tatsächlich so außergewöhnlich sind. Oder ob es nicht vielleicht doch so ist, dass sich einfach nur die Messmethode geändert habe.
Konkret sind dem KURIER auch im hauseigenen Forum folgende Behauptungen begegnet:
- Früher sei die Temperatur oft nur zu festen Uhrzeiten abgelesen worden. Lag der tatsächliche Tageshöchstwert zwischen zwei Messungen, sei dieser also gar nicht erfasst worden. Heute messen automatische Stationen ständig und speichern auch kurze Temperaturspitzen. Dadurch würden heutige Höchstwerte und die Zahl der Hitzetage höher erscheinen.
- Bei mehreren Messwerten sei früher der Mittelwert als Höchsttemperatur ausgewiesen worden, heute sei es der in mehreren Messungen innerhalb einer Minute festgestellte Höchstwert.
- Dadurch - so ein User - entstünde gegenüber früheren Messmethoden ein Temperaturunterschied von drei bis 5 Grad.
Und das wiederum werde eben jetzt von „Klimaidioten“, und gemeint ist da sicher auch der KURIER, der eben über die neuen Hitzerekorde der letzten Tage und ihre Auswirkungen etwa für die Landwirtschaft berichtet, dazu benutzt, „Panik zu verursachen“.
Also, verbreitet der KURIER hier Panik, oder sind die Messwerte doch valide? Der KURIER hat den Wetterdienst Ubimet mit den Aussagen konfrontiert: „Der Hinweis, dass sich die Messmethodik über die Jahrzehnte geändert hat, ist grundsätzlich berechtigt“, sagt Meteorologe Peter Wölflingseder. „Das wird auch von der Klimatologie selbst systematisch untersucht und korrigiert.“
Allerdings sei die Schlussfolgerung, dass „aktuelle Hitzerekorde im Ausmaß von mehreren Grad nur Messartefakte sind falsch“.
Wie groß ist der Unterschied durch die Messtechnik?
Ein systematischer Methodik-Fehler in der Größenordnung von drei bis fünf Grad „wäre sofort in jeder Wetterstatistik der letzten Jahrzehnte aufgefallen“. Real dokumentierte Effekte aus dem Umstieg von klassischen Thermometern auf automatische Messtechnik liegen laut Wölflingseder im Bereich von Zehntelgraden, nicht mehreren Graden.
Wölflingseder betont zudem, dass der Umstieg auf automatische Messnetze wissenschaftlich begleitet wurde. An vielen Standorten seien über Jahre Parallelmessungen mit alter und neuer Technik durchgeführt worden, um mögliche Differenzen zu quantifizieren. „Solche Effekte fließen in die Homogenisierung der langen Klimareihen. Die für Hitzetage-Auswertungen verwendeten Langzeitreihen sind also bereits um Instrumentenbrüche korrigiert.“
Wird jetzt einfach nur genauer gemessen?
Dass automatische Stationen auch kurzfristige Spitzen erfassen, sei jedenfalls keine künstliche Übertreibung, sondern schlicht „eine genauere Erfassung realer physikalischer Ereignisse“.
Auch das ist im Übrigen kein rein digitales Phänomen: Genau solche kurzen Spitzen wurden bereits mit dem klassischen Maximumthermometer erfasst, da dessen Bauart jede noch so kurze Überschreitung mechanisch „festhält“, unabhängig davon, wie lange sie andauerte.
Der Unterschied liegt laut Wölflingseder also nicht darin, ob solche Spitzen gemessen wurden, sondern wann man davon erfahren hat: „Früher wusste man in der Regel erst am Abend bei der Ablesung, welcher Höchstwert tagsüber erreicht wurde – heute liegt der aktuelle Höchstwert im 10-Minuten-Takt vor.“
Am tatsächlich erfassten Maximum selbst ändert das freilich nichts. Und damit ist es leider bittere Realität: So heiß wie am Mittwoch war es in Österreich noch nie in der Messgeschichte.
Insgesamt war schon der Juli Geosphere Austria zufolge der viertwärmste der 260-jährigen Messgeschichte. Nur 2006, 2015 und 2024 war's im Schnitt noch wärmer.
Ob es auch der heißeste Sommer wird, wird sich weisen. Noch ist er ja nicht vorbei.
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