Goldschmiedin Martina Hartinger

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Chronik | Österreich
06/09/2019

Mein G'schäft: Meisterin mit einem goldenen Händchen

Mein G'schäft: Goldschmiedin Martina Hartinger hat sich vor vier Jahren mit ihrem Schmuck selbstständig gemacht.

Martina Hartinger legt den kleinen Weißgold-Zylinder vor sich auf die Arbeitsplatte, nimmt den Lötkolben zur Hand und richtet die Flamme auf das Metall. Bis der kleine Zylinder fast rot leuchtet. Dann hat er die richtige Konsistenz, um zurechtgebogen zu werden.

Am Ende des Tages wird das Stück Weißgold Teil eines Rings sein. Mit einem rosa und einem grünen Turmalin bestückt wird er in die Glasvitrine an der linken Seite des Erdgeschoßlokals wandern. Hier liegen, unter anderem, Ringe mit Katzenohren für 120 Euro neben der aktuell teuersten Kreation: einem fein-goldenen Halscollier mit silbernen Korallen-Ästen für 2.000 Euro.

Vor vier Jahren hat sich die Goldschmied-Meisterin Martina Hartinger selbstständig gemacht. In dem hellen Gassenlokal in der Andreasgasse 5 in Wien-Neubau kreiert und verkauft sie ihre Gold-, Silber- und Edelstein-Schmuckstücke. Dreiviertel ihrer Arbeit sind dabei Aufträge der Kundinnen und Kunden. Oft sind es Eheringe, Ketten oder Ohrringe als Geschenke für Taufen oder Geburtstage. Und immer öfter würden sich Frauen Schmuck einfach selbst gönnen.

Aus der Vorstellung

Es gäbe keinen Beruf, den Martina Hartinger lieber ausüben würde. „Ich finde es unglaublich spannend, dass es etwas zuerst nur in der Vorstellung gibt, dann nimmt man Metall und Steine, arbeitet damit– und am Ende gibt es ein Produkt.“

Ihr Weg zur Goldschmiedin war dennoch kein direkter: „Obwohl mich Handwerk immer schon interessiert hat. Als ich zehn war, hat mir mein Vater gezeigt, wie man näht, und seitdem habe ich lange meine Kleidung selbst hergestellt.“ Nach der Schule in der Slowakei hat sie dennoch zunächst zwei Jahre Wirtschaft studiert. Richtig berührt hat sie das aber nicht. Und so zog sie mit 20 Jahren nach Wien – eigentlich nur, um die Sprache zu lernen. Und vielleicht, um den Traum der Großmutter zu leben, denn die wollte immer in Wien studieren.

Während diesen Aufenthalts verliebte sich Martina Hartinger aber in die Stadt und in einen Mann – und blieb. Erst in Wien wurde nach und nach der Wunsch lauter, einer Arbeit nachzugehen, bei der man etwas schaffen kann. „Und bei der ich richtig gut bin.“

Von Anfang an

So fand sie den Weg in die Goldschmiede-Akademie und mietete sich nebenbei bei einem Meister ein. „Das waren drei extrem wertvolle Jahre. Ohne die wäre ich in den vergangenen zehn Jahren bestimmt nicht so vorangekommen.“ Denn als sie 2015 ihr Geschäft eröffnete, konnte sie sich ab dem ersten Monat selbst erhalten.

„Das hat sich so lustig ergeben“, erzählt sie. „Nach der Prüfung habe ich zuerst bei anderen Meistern gearbeitet. Fast acht Jahre lang bin ich aber an dem kleinen Geschäft hier vorbeigelaufen – ich wohne ums Eck, und damals hat ein Mann hier alte Uhren repariert. Immer wieder habe ich gedacht, wie toll es doch wäre, wenn ich eines Tages hier mein eigenes Geschäft haben könnte.“

Dann war das Geschäft eines Tages frei – und sie schlug zu. Manchmal brauchen Dinge Zeit, bis sie wahr werden. „Man muss nur stark genug daran glauben.“

Und: durchhalten. Dass sie das heute gut kann, hat sie auch ihrer Großmutter zu verdanken: „Als Kind habe ich die Sommerferien immer bei ihr verbracht. Und dann habe ich bei ihr Deutsch und Gartenarbeit gelernt, Klavier geübt. Natürlich habe ich damals rebelliert, aber heute bin ich ihr sehr dankbar.“

Ein altes Handwerk

Martina Hartinger bietet in ihrem Geschäft Schmuck vom Ring bis zur Halskette. In Kürze will sie auch Workshops leiten.
Ihr Geschäft ist  Dienstag bis Donnerstag  von 11  bis 18 Uhr, Freitag  11 bis 19 Uhr, und Samstag  12 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Infos: martinahartinger.at

Derzeit gibt es in Wien  157 aktive Goldschmiede. Die Zahl ist seit einigen Jahren stabil. 2017 feierte das Gewerbe sein 650-jähriges Bestehen in Österreich und gehört damit zu den älteren Gewerben mit einer Zunfternennung.