Mathe-Matura: Wir sind gescheit(ert), Sie auch?

Durchkommen auch? © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Sich an der Mathematik-Matura Jahre später noch einmal versuchen. Ein Selbsttest von zwei Journalisten.

Mein Kollege Daniel und ich glauben ja fest an unsere enorme Intelligenz. Wir haben in Mittagspausen schon den Aufnahmetest für Justizwachebeamte erfolgreich im Internet absolviert und auch Standardtests aus der Mittelschule sind für uns meistens bewältigbar. Die logische Konsequenz war es, uns an die Mathematik-Matura heranzuwagen. Vor einigen Jahren kämpften wir uns schließlich noch selbst durch den Zahlen-Dschungel.

Jetzt stehen wir aber am Abgrund, kurz vor einem Fallschirmsprung. Darum geht es in der ersten Aufgabe. Die Fallgeschwindigkeit muss berechnet werden. Wir hoffen für den Springer, dass der TÜV auch so fleißig war wie wir gerade. Bauchfleck wird es auf jeden Fall keiner. Die erste Aufgabe lösen wir mit Ach und Krach. Mit Formeln. Die hatte man bei meiner Matura am gesamten Körper notiert – ein Hoch auf die Klo-Pausen.

Zweites Beispiel. Hier müssen Grundgehalt und die bezahlten Überstunden von Pflegekräften ausgerechnet werden. Unsere Rechnung geht auf, die Lösung stimmt. Beim zweiten Teilbeispiel wird’s kniffliger. Kann das Pflegebett in einem Aufzug um 180 Grad gewendet werden? Wir finden nicht den richtigen Dreh, würden den Pflegern die Benützung eines Rollstuhls empfehlen.

Die nächste Aufgabe schlägt uns auf den Magen. Es ist ein Auszug aus dem Buch „Die Genussformel“ von Physiker Werner Gruber. Die Bratdauer für eine Gans ist angegeben. Endlich etwas , das man im späteren Leben brauchen kann. Doch plötzlich fragt man uns nach Differenzenquotienten, wir verbrennen uns die Finger. Danach geht es ums Wurzelziehen. Ein Zahnarzttermin wäre uns lieber.

Fazit: Glücklicherweise verdienen wir unser Geld nicht mit Rechnen, sondern Schreiben.

( kurier.at ) Erstellt am 18.05.2018