Neue Bezirkschefin von Mariahilf: „Ich werde lästig sein“
19 Jahre war sie in ihrem Job. Jetzt ist sie raus. Ihre Stelle in der Kommunikationsabteilung des Sozialdemokratischen Wirtschaftsbundes (SWV) musste sie kündigen. Ab sofort besteht für Julia Lessacher nämlich ein Berufsverbot. Sie darf sich seit Donnerstag ausschließlich ihrem neuen Amt widmen, dem der roten Bezirksvorsteherin von Mariahilf.
Geübt dürfte sie in der neuen Position jedenfalls schon sein. Seit einem halben Jahr vertritt sie nun schon ihren Vorgänger Markus Rumelhart. Aus gesundheitlichen Gründen ist er kürzlich aus dem Amt geschieden. Julia Lessacher – die seit 2020 seine Stellvertreterin war und der breiten Masse bisher höchstens aufgrund der Causa rund um die Vergabe von Kleingartenparzellen in Breitenlee bekannt ist – rückte nach.
Julia Lessacher (SPÖ) ist seit Donnerstag die Bezirksvorsteherin von Mariahilf.
Einarbeiten musste sie sich in ihr neues Amt also nicht: „Viele Projekte, die jetzt in Umsetzung kommen, sind in einer Zeit entstanden, in der ich bereits beteiligt war. Deswegen kann ich jetzt ganz entspannt weiterarbeiten.“
Fernwärme als Chance
Dabei sind die Themen, die den Bezirk beschäftigen, derzeit alles andere als „entspannt“. Als Beispiel eignet sich dafür etwa die Umgestaltung der Gumpendorfer Straße: „Wir haben einige Jahre an dieser Straße geplant, inklusive des umfangreichen Beteiligungsprozesses. Die Pläne waren so gut wie am Tisch, wir wollten eigentlich im Oktober anfangen.“ Eigentlich. Denn daraus wird nun nichts. Das Projekt ist dem rot-pinken Sparprogramm zum Opfer gefallen.
Statt der großen, umfangreichen Neugestaltung wird es heuer deshalb nur „kleine Einzelmaßnahmen“ geben, sagt Lessacher. Dazu zählt unter anderem die Priorisierung der Öffis auf der Straße. Derzeit werde geprüft, ob für die Buslinie 57A alternative Haltestellen errichtet werden können. Sprich: Statt in Buchten könnte der Bus künftig auf der Straße halten, Autos könnten schwerer überholen. Was gleichzeitig ein anderes Problem lösen würde, nämlich das der Raser. „Wenn der Bus an diesen Stellen nicht mehr überholt werden kann, dann kann man auch die Einhaltung der 30-km/h-Grenze durchsetzen“, sagt Lessacher.
Wo durch diese Maßnahmen Freiräume entstehen, soll begrünt oder Anrainerparken ermöglicht werden. „Das Wichtigste an der Sache ist, dass so gestaltet wird, dass es den großen Umbau, an den wir glauben, nicht stört“, so Lessacher. Das sei auch der Vorteil an den fortgeschrittenen Planungen für die umfangreiche Umgestaltung: „Wir wissen genau, wo die zukünftigen Einbauten und wo der zukünftige Randstein liegen werden.“
Als Hoffnungsträger für die künftige Umgestaltung gilt übrigens ausgerechnet die Fernwärme. Während deren Ausbau inklusive Oberflächenumgestaltung in der Windmühlgasse, der Theobaldgasse und der Fillgradergasse wie geplant durchgeführt wird, wurde der Ausbau in der „Gumpi“ verschoben – aufgrund von mangelndem Interesse seitens der Hauseigentümer. Sollte in Zukunft doch Interesse bestehen, „sehe ich die Hoffnung, dass die Finanzierung für die Oberflächengestaltung zustande kommt“, sagt Lessacher.
Budget umgeschichtet
Bis dahin gibt es im Bezirk aber andere, drängendere Probleme zu lösen. Oberste Priorität habe derzeit der Gumpendorfer Gürtel. Oder besser gesagt, das Drogenproblem, das dort herrscht. Wie berichtet, hat die Stadt ein Maßnahmenpaket angekündigt, um die Situation zu verbessern. Noch im März hofft die Bezirksvorsteherin auf dessen Präsentation. Bis dahin werde sie „lästig sein“.
Für einen Teil der Lösung will Lessacher selbst sorgen. Der Fritz-Imhoff-Park, wo sich ein Teil der Drogenszene trifft, soll eingezäunt und nachts abgesperrt werden. Außerdem werden eine im Park befindliche Pergola abgerissen und Sitzgelegenheiten abmontiert. Um die 60.000 Euro soll das Projekt kosten, das Budget sei eigens dafür noch einmal umgeschichtet worden, sagt die Bezirksvorsteherin. Vor allem die nächtlichen Ruhestörungen sollen damit ein Ende finden.
Dagegen rückt die – sonst so breit diskutierte – Mariahilfer Straße auf der Prioritätenliste von Lessacher eher weit nach hinten. Nach zehn Jahren würden erste Reparaturarbeiten anstehen, sagt sie. Größere Arbeiten würden aber erst nach dem Ende der U-Bahn-Bauarbeiten in Angriff genommen werden, falls nötig.
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