Chronik | Österreich
06.04.2018

Lungenarzt: "Shishas sind noch ungesünder als Zigaretten"

Bei den heimischen Jugendlichen immer beliebter: Shisha-Bars. Doch der aromatisierte Rauch ist gefährlicher als viele denken.

Das Billardlokal KÖÖ ist an diesem Freitagabend ebenso wie viele andere Bars hier am Wiener Schwedenplatz gesteckt voll mit Zigaretten rauchenden Jugendlichen. Allerdings sitzen auch im Nichtraucherbereich einige und feiern. Eine Gruppe, zwei Mädchen und drei Burschen, alle 17 Jahre alt, fällt auf durch ihr lautes Gelächter. Alle fünf sind überzeugte Nichtraucher. „So einen Mist mach‘ ich nicht“, sagt eines der Mädchen. Im Gespräch kommt heraus, dass sie alle jedoch regelmäßig Shisha rauchen und fest davon überzeugt sind, dass diese Art des Qualmens weit gesünder sei. Eine Vorstellung, die im Übrigen viele Jugendlichen – und auch viele Erwachsene – teilen.

Aggressivere Substanzen

Nachgefragt beim Wiener Lungenkrebsfacharzt Dr. Maximilian Hochmair zeigt sich jedoch eine ganz andere Wahrheit. „Der Brennpunkt, die Brennstärke ist hier viel niedriger. Das heißt, es entstehen ganz andere radikale, viel aggressivere Substanzen, die dann zusätzlich noch mit dem Wasserdampf verbunden werden. Insgesamt ist das Shisha-Rauchen also noch aggressiver als das sowieso sehr ungesunde Zigarettenrauchen.“

 

Auch weitere Experten zeigen sich skeptisch. Shisha und E-Zigarette sind laut der Gesundheitspsychologin Astrid Mazhar bagatellisierte "Einstiegsdrogen" in eine Raucher-"Karriere": "Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen unterschätzen das Gesundheitsrisiko einer Shisha gegenüber einer herkömmlichen Zigarette." Die Expertin fürchtet einen Rückschlag bei der Rauchprävention. "Der Rauch schmeckt nach Frucht, ist angenehm kühl und kratzt nicht im Hals. Das Rauchen der Wasserpfeife ist unter Jugendlichen sehr populär und der aromatisierte Tabak suggeriert 'süß und ungefährlich'", erläuterte Mazhar, eine der Vortragenden beim letzten Tabaksymposium, das der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen mit dem Gesundheitsministerium veranstaltete. "Besonders gefährlich für Jugendliche ist jedoch das suchtauslösende Nikotin. Es besteht die Gefahr, dass E-Zigaretten und Shishas die Erfolge bei der Rauchprävention durch eine Re-Normalisierung des Rauchens zunichtemachen."

Wäre Österreichs Gastronomie, wie geplant, ab Mai 2018 rauchfrei geworden, hätte dies vermutlich auch das Aus für Shisha-Bars bedeutet.