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interaktiv
02/02/2021

Lockdown-Bilanz: Welcher war der effektivste?

Wie haben die drei großen Lockdowns des vergangenen Jahres das Infektionsgeschehen beeinflusst? Eine Bilanz.

von Karl Oberascher, Kevin Kada, Michael Leitner

Lockdown hin, Lockdown her. Aus streng pandemischer Sicht kommt die Öffnung wohl zu früh, das räumte gestern auch Bundeskanzler Sebastian Kurz ein.

Doch die Österreicher sind Lockdown-müde. Gewerkschaft, Wirtschaftskammer, Kinderärzte, Lehrer – die Liste jener, die auf ein zumindest vorsichtiges Hochfahren drängten, wurde zuletzt täglich länger. Die Lockdown-Disziplin wird ohnehin schon länger bemängelt. Kein Wunder, angesichts stagnierender oder allenfalls nur leicht sinkender Zahlen.  

Wie effektiv war der Lockdown nun wirklich? Wir haben uns die drei großen Lockdowns dieses Corona-Jahres angesehen und miteinander verglichen. 

Lockdown 1: 16. März bis 14. April

Wir erinnern uns: Am 16. März traten die ersten bundesweiten "Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung" in Kraft. Geschäfte und Restaurants wurden geschlossen, Ausgangsbeschränkungen ausgerufen, die Schüler erstmals ins Homeschooling geschickt. Traurige Routine seither. Die angesichts der Erfahrungen aus der zweiten Welle geradezu verschwindenden Fallzahlen damals: 159 Neuinfektionen, 952 aktive Fälle. Tägliches Wachstum: 33 Prozent, Anteil der positiven Tests: 49 Prozent.

Als nach dem Osterwochenende die Geschäfte am 14. April wieder öffnen durften, gab es 6168 aktive Fälle – allerdings mit deutlich sinkenden Neuinfektionszahlen mit einem täglichen Wachstum von unter einem Prozent.

Klicken Sie auf den Pfeil rechts, um die Entwicklung der Neuinfektionszahlen im Lockdown nachvollziehen zu können: 

Lockdown light: 3. November bis 16. November

Spätestens mit dem Lockdown light haben sich die “schönen” Infektionszahlen aus dem Sommer endgültig verabschiedet. Wohl zu spät reagierte die Bundesregierung auf steigende Zahlen. Denn mit Beginn des vermeintlich leichteren Lockdowns war die 7-Tages-Inzidenz bereits auf 368,34 angestiegen. 

Effektiv bedeutete das für Österreich eine Ausgangsbeschränkung von 20 bis 6 Uhr. Zudem durften sich nur zwei Haushalte treffen. In dieser Zeit durfte der eigene Wohnbereich nur aus wichtigen Gründen verlassen werden. Handel und Dienstleister durften offen halten. Veranstaltungen wurden mit Ausnahme des Profisports abgesagt. Auch Theater, Museen und Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbäder oder Fitnessstudios mussten schließen. Lokale durften nur für Take-away geöffnet haben. Hotels durften keine Touristen, sondern nur noch Geschäftsreisende beherbergen. All das gipfelte schlussendlich im zweiten Lockdown. Bei einer 7-Tages-Inzidenz von 560,24.

Lockdowns im Vergleich: So haben sich die Bewegunsprofile der Österreicher verändert. 

2. Lockdown: 17. November bis 5. Dezember

Der zweite harte Lockdown startete bei einer 7-Tages-Inzidenz von 558,71 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Der gesamte Handel musste schließen. Lediglich Supermärkte, Drogerien, Trafiken und andere wichtige Geschäfte durften geöffnet bleiben. Die Ausgangsbeschränkungen wurden auf den gesamten Tag ausgedehnt. Es galten die vier Ausnahmen: Einkäufe, körperliche Erholung, Arbeitsweg sofern erforderlich und bei Gefahr für Leib und Leben. 

Nur noch wichtige Bezugspersonen außerhalb des Haushaltes durften getroffen werden. Schulen stellten auf Distance Learning um. Wer ein Betreuungsangebot braucht, konnte die Kinder dennoch in die Schule bringen. Selbiges galt für die Kindergärten. Restaurants, Bars und Kaffeehäuser blieben geschlossen, Betriebe sollten auf Home Office umstellen und die Maskenpflicht wurde auch auf das Auto ausgeweitet, wenn man mit Personen außerhalb des eigenen Haushalts unterwegs ist. Am Ende des zweiten Lockdowns stand das Weihnachtsgeschäft auf dem Programm. Einer der Hauptgründe für die Öffnung. Die Zahlen hätten es tatsächlich immer noch nicht untermauert. Die 7-Tages-Inzidenz lag bei 266,51.

 

3. Lockdown: 26. Dezember bis 8. Februar

Der dritte Lockdown startete am zweiten Weihnachtsfeiertag bei einer 7-Tages-Inzidenz von 149,44. Während man am 24. und 25. noch zehn Personen aus ebenso vielen Haushalten treffen durfte, galt ab dem 26. Dezember wieder erneut scharfe Ausgangsbeschränkungen. Es kam die sogenannte 1+1-Regel zu tragen. Ein Haushalt durfte eine Person oder umgekehrt treffen. 

Der gesamte Handel musste erneut schließen. Offen halten dürfen seit dem 26. Dezember nur Betriebe, die wichtige Güter wie Lebensmittel, Hygieneartikel oder Medikamente verkaufen. Aber: Alle Betriebe dürfen zwischen 6 und 19 Uhr ein Abholservice (“Click & Collect”) einrichten. 

Im Unterschied zu Friseuren oder Nagelstudios durften Dienstleister, die “nicht körpernah” sind, weiter offen halten. Dazu gehören bspw. Kfz-Werkstätten, Versicherungen oder Banken. Das Ende des dritten Lockdowns kommt am 8. Februar. Dass es in Österreich zu diesem Zeitpunkt eine 7-Tages-Inzidenz von rund 50 gibt, ist mehr als unwahrscheinlich. 

Die Lockerungen kommen also, auch wenn die Infektionszahlen es eigentlich nicht hergeben. Aus diesem Grund ist die Lockerung auch eine mit Vorbehalt, wie Kanzler Kurz am gestrigen Montag erklärte. Sollten die Infektionszahlen wieder steigen und die 7-Tages-Inzidenz in Richtung 200 gehen, so werde es erneute Verschärfungen geben.

 

4. Lockdown?

Von der einst ausgerufen 50er-Marke wollte Gesundheitsminister Anschober auch vergangene Woche schon nichts mehr hören. Es handle sich dabei um ein “politisches Ziel”, meinte Anschober da. 

Die neue Marke heißt 200. “Dann müssen die Alarmglocken schrillen”, sagte Bundeskanzler Kurz am Montag. Zum Vergleich: Im Bundesland Salzburg liegt die 7-Tages-Inzidenz derzeit in diesem Bereich (172).

Ein neuer Lockdown ist also alles andere als ausgeschlossen, im Gegenteil. Am 15. Februar wird über weitere Öffnungsschritte entschieden. Sollte sich die Situation bis dahin verschlechtert haben, stehen Verschärfungen wieder im Raum. “Diese Lockerungen sind keine Entwarnung”, sagte Kurz am Montag. “Es hängt von uns ab.”

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