Chronik | Österreich
31.08.2018

Lithium-Projekt in Kärnten: Stift legt sich quer

Land möchte Areal für Gewerbepark erwerben, Benediktiner wollen aber nur ein Baurecht einräumen

Der rote Teppich schien breit ausgerollt zum Bau des Lithiumwerkes in St. Paul (Bezirk Wolfsberg) im Kärntner Lavanttal. Doch nun ist der Fahrplan für das insgesamt 400 Millionen Euro teure Projekt ins Stocken geraten, denn das Benediktinerstift

St. Paul will ein für das Hydroxidwerk und diverse Fabriken benötigtes Areal nicht verkaufen.

Das Unternehmen European Lithium, das derzeit seinen Firmensitz nach Wolfsberg verlegt, möchte auf der Koralpe zwischen Kärnten und der Steiermark das für die Batterieerzeugung so wichtige Lithium abbauen. Von 1000 Arbeitsplätzen, die dieses Vorhaben schaffen könnte, ist die Rede. Als Destination für das Werk zur Weiterverarbeitung stehen seit Monaten die Gemeinden Wolfsberg, St. Andrä und St. Paul Gewehr bei Fuß.

St. Paul, wo die Koralmbahn ab 2026 Station macht und auch die erforderliche Stromversorgung gewährleistet ist, gilt als großer Favorit. Unter anderem auch deshalb, weil die Gemeinde in Form eines interkommunalen Projekts mit Nachbar-Städten- und Orten ein 35 Hektar großes Areal vom Benediktinerstift St. Paul erwerben werde, hieß es, als das Unternehmen im Juni dieses Jahres seine Pläne der Kärntner Landesregierung vorstellte. Vorgespräche zum Ankauf des künftigen Gewerbeparks hätten bereits stattgefunden.

Land will kaufen

Diese Pläne haben sich inzwischen geändert. „Weil es ja ein interkommunales Vorhaben ist, möchte das Land Kärnten dieses Areal erstehen“, sagt der für Raumplanung zuständige Landesrat Daniel Fellner (SPÖ). Vorerst wollte man vom Stift 15 Hektar des 35 Hektar großen Areals kaufen, auf die fehlenden 20 Hektar sollte es eine Kauf-Option erhalten.

„Ich habe die Verhandlungspartner im Stift darum gebeten, dass mir bis Mitte August die Preisvorstellungen mitgeteilt werden. Das ist nicht passiert. Offenbar will das Stift uns und European Lithium nur ein Baurecht einräumen“, meint Fellner.

So ist es. „Uns gibt es hier bereits seit 900 Jahren und wir sehen überhaupt keine Notwenigkeit für einen Verkauf unserer Flächen“, betont Pater Maximilian, der Administrator des Stifts in St. Paul. Zur Verfügung stellen könne und wolle man Grund und Boden freilich schon, „weil wir langfristig denken, die Bedeutung des Projekts, das viele Arbeitsplätze nach sich ziehen dürfte, natürlich erkennen“.

Zweiter Vorstoß

Am Mittwoch startete das Unternehmen European Lithium selbst einen Versuch und nahm mit den Verantwortlichen des Stifts Gespräche wegen eines Kaufs der Liegenschaft auf. Firmenvorstand Dietrich Wanke und Christian Ragger, der Kärntner Anwalt von European Lithium, bissen sich bei den Benediktinern jedoch ebenfalls die Zähne aus. „Die Stiftsherren wollen nicht verkaufen. Derartige Eigentumsüberlegungen sind in Restösterreich nicht ungewöhnlich, in Kärnten hingegen schon“, sagt der ehemalige Kärntner FPÖ-Chef. Aber es werde weiter nach einer Lösung gesucht.