Zu Gast am Heldenberg: Wo die (weißen) Hengste Urlaub machen
Im Alltag hat Maestoso Alma eine große Verantwortung. Er ist der Glücksbringer der Spanischen Hofreitschule – und hat als solcher, im Gegensatz zu seinen weißen Stallgenossen, traditionell braunes Fell. Am Heldenberg (Bezirk Hollabrunn) lernt man den Hengst jedoch in Urlaubslaune kennen; Jahr für Jahr kommen die Pferde zur mehrwöchigen Sommerfrische ins Weinviertel, weit abseits des Trubels der Wiener Innenstadt. Eine besondere Zeit für die Tiere – aber auch für ihre Bereiterinnen und Bereiter.
„Um das Wohlbefinden der Pferde zu gewährleisten, ist der Heldenberg für uns unerlässlich“, betont Oberbereiter Herbert Seiberl. Er arbeitet schon seit 32 Jahren mit den Lipizzanern der Hofreitschule. Erholung vom Trainingsalltag finden die Tiere aber selbstverständlich nicht nur während der Sommerfrische-Wochen, sondern das ganze Jahr über: Sie wechseln alle zweieinhalb Monate zwischen Wien und dem Trainingszentrum Heldenberg. Das Gelände bietet ihnen weitläufige Koppeln sowie ein umliegendes Waldgebiet, in das Ausritte unternommen werden.
Oberbereiter Herbert Seiberl mit Maestoso Alma.
Bereits in ihrer Jugend kommen die Hengste erstmals auf den Heldenberg, mit vier Jahren startet dort ihre Ausbildung. Geboren und großgezogen werden die Lipizzaner zuvor in der Steiermark, im Gestüt Piber. Der Heldenberg ist jener Ort, an dem sie ihre ersten Schritte zum Showhengst machen – und auch jener, an dem sie zum ersten Mal einen Menschen am Rücken tragen. Nach einem halben bis dreiviertel Jahr geht es dann nach Wien, wo sie sich erstmals vor Publikum präsentieren dürfen.
„Es gibt natürlich immer wieder Ausnahmen, aber großteils sind Lipizzaner eine sehr umgängliche, leistungsbereite und robuste Pferderasse“, erzählt Oberbereiter Seiberl von den Tieren. Damit eignen sie sich perfekt dafür, die „Hohe Schule“ der Reitkunst zu erlernen; Wien gilt als wichtigstes Zentrum für den Erhalt dieser Tradition, die einst für den Adel ins Kaiserreich geholt wurde. Der Nachwuchs sollte nämlich das Reiten erlernen – und jene Figuren, die heute gezeigt werden, waren auch nützliche Waffen im Gefecht.
Partner Pferd
Dabei werden, wie Seiberl schildert, natürliche Bewegungen der Pferde trainiert und kultiviert. Das Ziel ist es, sie auch auf ein Kommando der Reiterinnen und Reiter abrufen zu können. „All diese Figuren, Lektionen und Bewegungsabläufe, die wir mit unseren Pferden zeigen, würde man auch sehen, wenn man lange genug eine Herde auf der Koppel beobachten würde“, sagt Seiberl.
Einige jener Lektionen, die in der Spanischen in Perfektion gezeigt werden, kennt man auch aus der modernen Reiterei. Was es jedoch nur in Wien gibt, sind die drei Schulsprünge Levade, Kapriole und Courbette. Wie besonders diese Figuren sind, zeigt sich auch daran, dass nicht jedes Pferd dafür geeignet ist; umso wichtiger sei es, im Training individuell auf jedes Tier einzugehen.
Doch zurück zum Heldenberg, wo für Maestoso Alma und seine Artgenossen das Ende ihrer Ferien bevorsteht: Ab 15. August finden wieder öffentliche Trainings statt. Für Seiberl, der sein Leben den Pferden gewidmet hat, gibt es keine schönere Arbeit als jene mit den edlen Tieren. „Man weiß nie, was der Tag bringen wird. Wir arbeiten mit Lebewesen, und auch Pferde haben einmal einen schlechten Tag. Man muss sich jeden Tag neu auf seinen Partner Pferd einstellen.“
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