Chronik | Österreich
14.10.2014

Internationale Fahndung nach Mord in Linz

Vierfacher Familienvater aus Kosovo starb nach Kopfschuss. Ein mutmaßlicher Mittäter wurde am Montag gefasst.

Ein vierfacher Familienvater ist in der Nacht auf Montag auf offener Straße vor einem Migranten-Lokal in Linz ermordet worden. Die Tat ähnelt einer Hinrichtung: Der 45-jährige Kosovo-Albaner Recep M. starb an den Folgen eines Kopfschusses, der in unmittelbarer Nähe aus einer Faustfeuerwaffe abgegeben wurde. Der mutmaßliche Haupttäter, der 23-jährige Tschetschene Achmed Daschajev, soll in einem Audi A6 mit dem Kennzeichen LL 885 HG die Flucht ergriffen haben. Die Polizei fahndete fieberhaft nach ihm und seinem möglichen 27-jährigen Komplizen Elvedin Rekic. Am Dienstag wurde die Fahndung auch international ausgedehnt. Die Möglichkeit sei groß, dass sich die Verdächtigen ins Ausland abgesetzt haben, so die Polizei. Ein weiterer mutmaßlicher Komplize war am Montag gefasst worden.

Schreie

"Ich bin bei gekipptem Fenster im Bett gelegen und wollte gerade das Licht abdrehen, doch plötzlich hab’ ich zwei Schüsse gehört", sagt Alfred R., der in der Nähe des Tatorts eine Wohnung hat. Kurz vor zwei Uhr Früh habe er vom Fenster aus zwei unbekannte Männer gesehen. "Einer hat mit ausländischem Akzent ,Scheiße, Scheiße‘ geschrien, sie sind zu einer dunklen Limousine gerannt und hineingesprungen", erzählt der 46-Jährige. Mit aufheulendem Motor sei das Auto dann im Rückwärtsgang durch die Fröbelstraße davongerast.

"Ich hab’ zuerst an Knallkörper gedacht, dann aber Schreckensschreie gehört, die auch von einer Frauenstimme stammen könnten", sagt Siegfried S., der ebenfalls in der Nachbarschaft lebt. Auch er habe den Audi A6 mit Vollgas und quietschenden Reifen abfahren gesehen. Er sei vor das Haus gelaufen und habe auf der Franckstraße einen Menschen reglos auf der Fahrbahn liegen gesehen. "Das Opfer dürfte sofort tot gewesen sein, der Notarzt konnte nichts mehr ausrichten."

Im Café "No Limits", vor dessen Tür der Mord passiert ist, zeigt sich die rumänische Besitzerin, die anonym bleiben will, entsetzt über die Bluttat. "Das Opfer war öfter bei uns zu Gast – auch am vergangenen Abend war er hier. Im Lokal selbst hat es aber keinerlei Streit gegeben, die Leute haben fröhlich getanzt. Die mutmaßlichen Täter waren jedenfalls nicht hier bei uns." Recep M. sei auf der Straße erschossen worden.

Ersten Ermittlungen zufolge soll der 45-Jährige nach Verlassen des Cafes zufällig einen Mann gesehen haben, der einen seiner Söhne geschlagen hatte. Er soll ihn zur Rede gestellt haben, dabei dürfte die Situation eskaliert sein und mit dem tödlichen Schuss geendet haben.

Schlägerei

Im Haus des Opfers hat sich am Montag eine große Trauergemeinde versammelt. Die Verwandten haben Tränen in den Augen, wollen sich zu dem Vorfall aber nicht äußern.

Nur Adnan I., ein Bekannter und Nachbar des Opfers, erzählt, dass ein Sohn von M. vor zwei Wochen in eine Schlägerei mit Tschetschenen geraten sei. Was die Hintergründe für den Konflikt waren, kann er nicht sagen. "Aber Probleme löst man nicht mit Waffen. Ein Wahnsinn, dass bei Tschetschenen so etwas immer mit Blut enden muss." I. appelliert an die Polizei, den Fall möglichst rasch zu klären: "Damit das nicht vielleicht noch mehr Probleme zur Folge hat."