Tachometer können mit einem kleinen Gerät, das keine 200 Euro kostet, ganz leicht manipuliert werden.

© KURIER/Dominik Schreiber

Kampf dem Tachobetrug
12/27/2014

Leumundszeugnis fürs Auto

Ab dem Frühjahr 2015 soll eine neue Datenbank den Betrügereien ein Ende machen.

von Dominik Schreiber

Mit einem kleinen Gerät, das via Internet um unter 200 Euro bestellt werden kann, machen Autobetrüger jedes Jahr ein Bombengeschäft. Laut Untersuchungen wird bei etwa fünf bis zwölf Prozent aller verkauften Fahrzeuge der Kilometerstand vorher manipuliert. Dabei sind private Verkäufer genauso anfällig wie Firmen. Rund 300 Millionen Euro werden dadurch in Österreich jedes Jahr von den Betrügern ergaunert.

Im April deckte der ÖAMTC auf, wie leicht so eine Manipulation möglich ist. Bei einem Test auf dem Stützpunkt in Wien-Donaustadt schaffte es jeder Lenker innerhalb von wenigen Sekunden, einen Tachostand von 90.000 auf 30.000 Kilometer zu reduzieren.

Doch damit soll künftig Schluss sein. Vergangene Woche kam es bei einem Gespräch zwischen Kabinettsmitarbeitern von Verkehrsminister Alois Stöger und ÖAMTC-Chef Oliver Schmerold zu einer Einigung. So wird mit der nächsten Novelle des Kraftfahrgesetzes (im kommenden Frühjahr) eine neue Datenbank aufgebaut.

Jede Firma, die Pickerlüberprüfungen durchführt, muss künftig den Kilometerstand des gecheckten Fahrzeugs in die Pickerl-Datenbank eingeben. Gleiches gilt bei einer Reparatur. Somit wird für jedes Auto künftig eine Art Profil erstellt, auf das zurückgegriffen werden kann. Wenn eine Werkstätte die Daten nicht eingibt, droht eine Verwaltungsstrafe bis zu 5000 Euro (bzw. bei Nichtbezahlung bis zu sechs Wochen Haft).

Zugriff

Diskussionspunkt war zuletzt noch, wer auf diese Datenbank zugreifen kann. Der ÖAMTC wollte das zunächst für jeden Lenker, das Verkehrsministerium beharrte allerdings auf dem Datenschutz. Denn so könnte jeder die Kilometerleistung seines Nachbarn abfragen. Zugriff auf die Daten haben deshalb nur Werkstätten oder Automobilclubs, die ebenfalls Pickerlüberprüfungen durchführen.

Leumund

Wer künftig privat sein Auto verkaufen will, kann aber zu einer Werkstätte seines Vertrauens gehen und einen entsprechenden Ausdruck verlangen. "Das Papier gilt dann beim Autoverkauf als eine Art Leumundszeugnis für das Auto", erklärt ÖAMTC-Chefjurist Martin Hoffer den Vorgang.

Im Büro von Verkehrsminister Alois Stöger spricht man von einem extrem wichtigen Schritt für den Konsumentenschutz in Österreich. Der Aufbau der Datenbank gegen den organisierten Tachobetrug ist auch ein Erfolg für den ÖAMTC.

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