Chronik | Österreich | Landlust
01.04.2017

Weibnitz: Durchs Reden kommen d' Leut' zusammen

Zwei Parkbänke, mehr braucht die Katastralgemeinde Weibnitz nicht um das Dorf zu beleben.

Zwei Bänke und einen Holztisch haben die Bewohner der 26 Seelen Dorfgemeinde Weibnitz vor der kleinen Ortskapelle aufgestellt. Die Marktgemeinde Wartmannstetten im Bezirk Neunkirchen nennt den winzigen Platz hochtrabend „Domplatz“. Wie in St. Pölten oder in Mailand. Und seit es die Sitzgarnitur mit ein bisschen Grün drum herum gibt, wird wieder mehr miteinander geredet, die Landlust gefördert.

Eine Gemeinde blüht auf

Tagtäglich bei lauem Wetter, wenn die Sonne malerisch über dem Schneeberg untergeht, sitzen hier Weibnitzer zusammen und tauschen sich aus. Eigentlich ist die „Domplatz-Bassena“, wie sie liebevoll von den Bewohnern genannt wird, aus der Not heraus entstanden. Denn die Wirtshäuser in der Umgebung haben alle längst zugesperrt. Eine eigene Greißlerei oder ein kleines Café sind Schnee von gestern. Was vor drei Jahren sporadisch mit einer Parkbank begann, hat sich immer mehr zu einem Fixum im Alltag der Katastralgemeinde entwickelt. Auf den mittlerweile zwei Gartenbänken berichten nun die Bauern über ihre Ernte und die Bäuerin beklagt, dass der Milchpreis in den Keller rasselt. Der Häuslebauer sinniert über die Isolation seiner Kellerdecke und fragt um fachmännischen Rat. Der Gastronom verrät sein neuestes Gourmet-Rezept und der Jäger erzählt, dass der Hund brav war und wie viel Rehe und Wildschweine er selbst heute am Hochstand gesehen hat. Der Domplatz-Tratsch ersetzt in der kleinen Ortschaft Nachrichten per Handy. Man lauscht den Ausführungen der anderen und trinkt dazu auch ein Gläschen G'spritzten. Und weil das schon so selbstverständlich ist, hängt der Flaschenöffner griffbereit seitlich an der Tischplatte.

Durchs Reden kommen d' Leut' zusammen

Von Nah und Fern kommen Landwirte, Kollegen und Gäste - um zuzuhören und mitzureden. Motto: „Durchs Reden kommen d' Leut' zusammen“. Gemeinsam werden Projekte angepackt. So haben die Bürger von Weibnitz vor einiger Zeit ihre alte St. Anna-Kapelle in Eigenregie wieder auf Vordermann gebracht, den Kirchturm frisch gestrichen. „Die Treffen haben einen Sinn, da wird über die anstehenden Dinge diskutiert und man kommt gemeinsam auf eine Idee“, ist sich der Initiator Peter Rosenbüchler sicher. Vier Generationen seiner Familie bewohnen unweit des „Domplatzes“ ihr Eigenheim. Tochter Manuela Buchner hat erst kürzlich mit der Produktion von Käse begonnen. „Das war wieder so eine Geschichte, im Raum stand was man mit der Milch machen soll und sie meinte, warum wir nicht einfach Käse daraus machen“, ergreift Reinhard Wildner das Wort. „Anstatt zum Telefon zu greifen kann man hier gleich mit der Person, die es betrifft, sprechen“, fügt Rosenbüchler hinzu. „Uns kennen bereits einige. Aus Neunkirchen und Umgebung kommen regelmäßig Läufer, Radfahrer und Wanderer – für die ist der Kulm Berg ein Erholungsgebiet. Sie bleiben dann meistens stehen und plaudern mit uns“, erklärt seine Frau Eleonore.

Wie auf Kommando rückt auch schon die erste Seniorengruppe an. Eilig werden der Weißwein und eine Jause zubereitet und dann wird sich über Neuigkeiten ausgetauscht. Bei der letzten Fußball-WM haben wir zum Beispiel den Fernseher herausgerollt“, sagt Mildner und fügt scherzhaft hinzu: „ Ist ja viel lustiger zusammen zu weinen.“

Heitere Aussichten

Auch in den eisigen Wintermonaten wird weiter der Stammtisch beibehalten. „Da ich gerade Haus baue, wird sich da schon was finden lassen“, sagt Mildner. Übrigens ist vom Dorfsterben keine Rede. Die Einwohnerzahl von Weibnitz hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. „Die Jungen kommen meist nach dem Studieren wieder aus der Großstadt zurück“, sagt Eleonore Rosenbüchler. „Bald brauchen wir eine dritte Bank“, lacht Reinhard Wildner.