Chronik | Österreich
10.09.2018

Land Kärnten will GTI-Tross "still legen"

Exekutive tut sich gegen "Radaubrüder" schwer. Behörde fordert Gesetzesnovelle.

Vereinzelt ist rund um den Wörther- und Faaker See noch das Donnern der Harleys zu hören. Doch während die als friedlich eingestuften Zweiradlenker Kärnten nach der Bike Week verlassen, trudeln in der Region wieder die GTI-Fahrer ein. Und die gelten vielen als lärmende Störenfriede.

Diverse Vor- und das Haupttreffen reichen der Gemeinschaft nicht mehr: rund 6000 PS-Fans haben auf der Facebookseite Wörthersee 2018 Reloaded angekündigt, an einem Nachtreffen von Donnerstag bis Sonntag in der Region teilnehmen zu wollen. Die Polizei, die alle sozialen Netzwerke durchforstet, rechnet mit 8000 Personen. Lärm durch absichtlich herbeigeführte Fehlzündungen und quietschende Reifen dürften die Behörden vor eine unüberwindbare Hürde stellen. Ein am Montag in der Landesregierung zum Thema GTI einberufener Runder Tisch mit Beamten, Bezirkshauptmannschaft (BH), Landesräten, Polizisten und Juristen machte die Ohnmacht mehr als deutlich.

Wohl betonte Polizeidirektorin Michaela Kohlweiß, dass erstmals Polizisten aus anderen Bundesländern zum Nachtreffen hinzugezogen würden, sagte Finkensteins VP-Bürgermeister Christian Poglitsch („Die GTI-Radaubrüder sollen zu Hause bleiben!“), er werde alle Flächen im Gemeindeeigentum sperren lassen. Und die BH kündigte verstärkte Lärmmessungen sowie eine Erhöhung der Strafen (Fehlzündung 100 Euro, „Gummi-Gummi“ 280 Euro) an. Aber gleichzeitig gestanden die Experten ein, dass aufgrund der geltenden Gesetzeslage stets die lauten Gäste den längeren Atem hätten.

Kein Veranstalter

„Das Problem bei Vor- und Nachtreffen ist, dass es keinen Veranstalter gibt“, sagt Landesjurist Albert Kreiner. Die Straße sei nicht als Veranstaltungsort einzustufen und daher könne man nur eingreifen, „wenn sie für verkehrsfremde Zwecke genutzt wird“. GTI-Fahrer sprechen sich ab, lassen die Motoren im Konvoi aufheulen und sind so vor dem Zugriff der Behörden geschützt. „Laut Kraftfahrzeuggesetz ist die Exekutive verpflichtet, das lärmende Auto aus dem Pulk herauszufiltern. Das ist unmöglich“, ergänzt Kreiner. „Wir würden gerne die ganze GTI-Gruppe still legen, in der sich das Schwarze Schaf befindet und allen 48 Stunden lang die Nummerntafeln entziehen. Das tut den GTI-lern weh“, weiß Kärntens Umweltreferentin Sara Schaar (SPÖ). Nur fehlt dafür die gesetzliche Grundlage.

In der Regierungssitzung am Dienstag wird eine Resolution verabschiedet, in der das Verkehrsministerium um eine Abänderung des Kraftfahrzeuggesetzes ersucht wird. Dann könne man „mit Schärfe und Härte“ gegen GTI vorgehen – sagt in Person von Ulrich Zafoschnig (ÖVP) der Tourismuslandesrat, um hinzuzufügen, dass 95 Prozent der Gäste friedlich und willkommen seien.

Appell des Landes

Während das Ministerium die Resolution noch nicht kennt, rollen bereits die aufgemotzten Boliden nach Kärnten. Als wolle man die Hilflosigkeit offen demonstrieren, wird das Land nun direkt mit den GTI-Sympathisanten Kontakt aufnehmen und um ein geräuscharmes Nachtreffen bitten. „Wir werden offizielle Schreiben an GTI-affine Facebook-Gruppen senden und sie auf die geltende Straßenverkehrsordnung aufmerksam machen. Diese sieht eine Bewilligungspflicht für die Benutzung von Straßen zu verkehrsfremden Zwecken vor“, meint Schaar. Man klammere sich „an einen Grashalm“.