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Villa Kunterbunt mit Drautalblick: Kleinsasserhof als Gesamtkunstwerk

Kärnten-Urlauber aufgepasst! Wer noch nie im „Kleinsasserhof“ vor den Toren von Spittal war, sollte das unbedingt nachholen.
Junior- und Seniorchefs und vier Achtel Scheinheilig.

Von Achim Schneyder

Schuld war der Elch. Als nämlich Josef Gasser und seine Frau Waltraud im Jahre 1986 die in den 1950ern eröffnete Buschenschank seiner Eltern übernommen, diese in ein Gasthaus verwandelt und den ausgestopften Riesenschädel des skandinavischen Paarhufers an die Wand gehängt hatten, war’s um Josef geschehen. Ein unheilbares Sammelfieber befiel den kochenden Hausherrn gleichsam über Nacht, und so klapperte er fortan mit großer Hingabe Flohmärkte und Altwarenhändler ab, um Kunst und Kitsch und Skurrilitäten zusammenzutragen und mit diesen sein Wirtshaus zu schmücken.

Der Elch im Kleinsasserhof.

Der Elch, mit dem so vieles  begann, hängt nahe der Bar. 

Und so wurde der 1559 urkundlich erstmals erwähnte „Kleinsasserhof“ vor den Toren der Kärntner Bezirkshauptstadt Spittal an der Drau und an den Ausläufern des Goldeck Schritt für Schritt das, was er heute ist: ein exzellentes Wirtshaus auf 700 Metern Höhe mit eigener Land- und Viehwirtschaft, 14 überaus einladenden Gästezimmern, einem kleinen Schwimmteich, einem Gartenappartement und einer Außensauna, das als Gesamtkunstwerk einem Museum ebenso gleicht wie einer Galerie und einem Kuriositätenkabinett. 

So lehnt beispielsweise ein lebensgroßer Astronaut im Aufgang zu den Zimmern herum und draußen zwischen der Terrasse mit dem herrlichen Blick über das Tal und dem zauberhaften Pavillon wohnt ein ebenfalls lebensgroßer und knallgelber Stier aus Styropor.

„Die Sammelleidenschaft hab’ ich geerbt“, sagt Ludwig Gasser, ein 1988er-Jahrgang, der den Betrieb am 1. April 2017 offiziell übernommen, ein ganz klein bisserl „aufgeräumt“ hat und inzwischen mit seiner Frau Sara führt. 

Kärntner Nudeln ohne Minze

Mama Waltraud wiederum ist bereits in Pension, allerdings fabriziert sie immer noch den Teig für die herausragend guten Kärntner Nudeln, und Papa Josef steht mit seinen 67 Lenzen immer noch freiwillig und gerne in der Küche, wo er nicht zuletzt die Fülle für die Kärntner Nudeln produziert. Und zwar gänzlich ohne Minze.

Kärntner Nudeln, wie sie  besser kaum sein könnten.

Kärntner Nudeln, wie sie besser kaum sein könnten. 

„Das hat uns einen ordentlichen Shitstorm eingehandelt, als wir im Rahmen der Fernsehsendung 9 Plätze – 9 Schätze – So gut isst Österreich Kärnten mit Kärntner Nudeln ohne Minze vertreten haben“, erzählt Ludwig. „Allerdings ist historisch belegt, dass die Minze erst nach dem Ersten Weltkrieg den Weg in die Fülle gefunden hat. Ganz ursprünglich und original ist sie also ohne.“

Geschraubt und gesprayt

Ein weiteres Original im „Kleinsasserhof“ ist die Verkleidung der neuen Bar, die der Künstler Fritz Russ aus dem nahen Städtchen Gmünd geschaffen hat. „Die alte Bar war mir zu klein, so schön sie auch war. Die hat der Papa seinerzeit aus Steinen, die er aus der Drau geholt hat, selbst gemauert, also war er ziemlich geknickt, als ich mit dem Vorschlaghammer aufgekreuzt bin. Aber es musste sein. Und dann ging’s eben um die Verkleidung, und die besteht nun aus 240.000 unterschiedlichen Kreuzschrauben, die Fritz Russ in 360 Arbeitsstunden in die dahinterliegende Platte getrieben hat. Je nach Lichteinfall glitzert dieses Schrauben-Mosaik jetzt wie eine Discokugel.“

Nicht ganz so lang, nämlich eine Woche nur, haben die Mitglieder der renommierten russischen Graffiti- und Street-Art-Crew „ZUKCLUB“ benötigt, um im Jahr 2012 – und das lediglich gegen Kost und Logie – die Fassade des Hauses mit ihren Spraydosen kunstvoll zu gestalten. 

„Da gab’s dann allerdings kurz Widerstand aus der Gemeinde, aber glücklicherweise mussten wir die Hauswand dann doch nicht wieder überpinseln“, sagt Ludwig, bevor er nun Speis und Trank serviert.

Grandios die Hühnerleberpastete mit dem überragenden selbst gebackenen Brot, fantastisch nicht nur die Kärntner, sondern auch die Fleischnudeln, ein wahres Gedicht das geschmorte Lamm von den eigenen Wiesen. 

Und als entsprechendes Achtel präsentiert und empfiehlt Ludwig den weißen und den roten Hauswein, die ebenfalls, und das schon seit Jahren, eine nicht ganz unoriginelle Geschichte begleitet. 

„Einmal im Jahr fahre ich zum Hannes Sabathi in die Südsteiermark und zum Horst Gager ins Mittelburgenland. Dort koste ich mich dann durch alle Weine des jeweiligen Jahrgangs, mische sie unterschiedlich, probiere dies und probiere das und stelle mir, natürlich gut beraten von den Winzern, selbst eine Cuvée zusammen, die der Hannes und der Horst dann exklusiv für uns abfüllen. Und das Etikett hat meine Schwester Josy designt.“

Und weil im „Kleinsasserhof“ ja so gut wie nix ganz alltäglich ist, sind’s auch die Namen der Weine nicht. Die heißen „Scheinheilig weiß“ und „Scheinheilig rot“. Zum Wohl. Und besten Appetit sowieso.

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