Chronik | Österreich
03.11.2018

Kindertransporte: Mit Unterstützung den Nazis entkommen

Israelitische Kultusgemeinde verhalf Minderjährigen zur Ausreise

Im Jahr 1938 begannen internationale Organisationen, Kindertransporte zusammenzustellen. Die Novemberpogrome in der Nacht von 9. auf 10. November hatten sie wachgerüttelt. Arthur Kern (damals Oswald Kernberg) wurde im Kindertransport vom 14. März 1939 nach Frankreich gerettet.

Insgesamt wurden so knapp 15.000 Kinder aus Österreich, Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei gerettet, die meisten von ihnen waren jüdisch. Die Aufnahmeländer stellten den Kindern Visa aus; in Österreich unterstützen die Nazis sogar teilweise, dass Kinderpässe ausgestellt werden – „im Interesse der Förderung der Auswanderung“.

Großbritannien nahm unbegrenzt viele unbegleitete Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren auf. Etwa 10.000 Kinder wurden so bis 1939 nach England gerettet.

In Wien unterstützte die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) jüdische Familien bei der Emigration ihrer Kinder. 2840 Kinder konnten so ausreisen. Laut der von Lilly Maier befragten IKG-Archivarin Susanne Uslu-Pauer gingen 43 solcher Transporte aus Wien weg. Die Kinder wurden nach England, Belgien, in die Schweiz, nach Holland, Amerika und Frankreich gebracht. Etwa 5000 Kinder wurden mit den Kindertransporten aus Österreich gerettet. Allerdings stellten die Aufnahmeländern Bedingungen: Junge, gesunde Kinder waren willkommen (Freude hatte man mit Mädchen zwischen sieben und zehn Jahren). Kranke, behinderte oder lernschwache Kinder sollten nicht ausreisen. Buben, die älter als zwölf Jahre waren, galten als schwer vermittelbar. Arthurs drei Jahre älterer Bruder Fritz litt an Epilepsie und einer Lernschwäche. Er bekam keinen Platz in einem Kindertransport. Fritz Kernberg wurde mit seinen Eltern ins polnische Opole deportiert. Vom Ghetto dort wurden Juden in Vernichtungslager gebracht.