Kinder von Asylwerbern müssen zu Fuß gehen

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Foto: KURIER/Reinhard Vogel Für den Postbustransport werden nun Erwachsenen-Tickets gekauft.

Freifahrtsausweise mussten retourniert werden – auf wessen Initiative, ist derzeit unklar.


Das ist Diskriminierung pur." So kommentiert Kärntens Landessschulratspräsident Rudolf Altersberger das Schicksal dreier Kinder von Asylwerbern, die im Gegensatz zu den Klassenkameraden ihre Schüler-Freifahrts-Ausweise zurückgeben mussten.

Liana (10) aus Armenien sowie Nazanin (9) und Albert (7) aus Afghanistan sind seit wenigen Wochen in einem Asylwerberheim in Steuerberg bei Feldkirchen untergebracht. Sie besuchen die Volksschule – der Bub die zweite Klasse, die Mädchen jeweils die vierte. Und wie ihre Kameraden haben sie Ausweise für die Anreise per Postbus erhalten. Doch das Trio musste diese nach wenigen Tagen wieder zurückgeben. "Was das für die Kinder bedeutet, ist klar. Sie gehen nun zu Fuß zur Schule, während die anderen mit dem Bus fahren", sagt Helmut Stadtschreiber, Direktor der VS Steuerberg/St. Urban.

Veranlasst habe die Retournierung die ÖBB-Postbus GmbH, weil niemand die Kosten für die Freifahrt der Kinder übernehmen wollte, sagt Stadtschreiber. ÖBB-Kärnten-Pressesprecher Christoph Posch kann die Hintergründe nicht aufklären: "Ich kenne diesen Fall nicht.""Es geschah über die Initiative des Innenministeriums", sagt Altersberger. Ministeriumssprecher Karl-Heinz Grundböck meint wiederum: "Die Versorgung der Asylwerber in den Ländern ist Ländersache, damit haben wir nichts zutun."

Das bestätigt Kärntens Flüchtlingsbeauftragte, Barbara Payer, zumindest teilweise: "Über die Grundversorgung werden derartige Dinge vom Land Kärnten vorfinanziert und zum Teil vom Bund refinanziert." Und während für österreichische Schüler und deren Freifahrtsanträge das Bildungsministerium zuständig sei, liege das für Kinder von Asylwerbern in letzter Instanz dann erst wieder in der Verantwortung des Innenministeriums, sagt Altersberger. "Ministerin Johanna Mikl-Leitner wählt für Asylwerberkinder eine härtere Gangart und hält einen zwei Kilometer langen Schulweg für zumutbar, während die heimischen Kinder dieselbe Strecke mit dem Bus fahren dürfen", erklärt der Landesschulratsboss.

Normaltarif

Ein Fonds des Landesschulrats wird für die Fahrtkosten der Kinder aufkommen. "Wir müssen den Postbus-Normaltarif von 31 Euro pro Person und Monat bezahlen, es gibt ja keine Kinderkarten", sagt Stadtschreiber und schüttelt den Kopf. Am Montag wird er die Tickets besorgen.

(kurier) Erstellt am
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