„Natürliche Schönheit“ an einem Feiertag am Pattongbeach in Phuket: Liegestühle, Sonnenschirme, Massageplätze und Imbissstände sind abgebaut worden, seit Mittwoch ist das Rauchen und Essen verboten

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Chronik | Österreich
02/22/2015

Keine Liegen, kein Sex in Thailand

Militär säubert die Strände – zum Ärger vieler Touristen aus Österreich, die zum Teil erbost abreisen.

In Thailand kochen die Urlauber-Emotionen derzeit hoch: "Viele von uns reisen ab, wir suchen gerade einen Flieger nach Vietnam" ist in einem Internetforum zu lesen. Oder: "Ich weiß nicht, ob ich meine Zeit nächstes Jahr noch einmal hier verbringen werde."

Sonja Oswald vom österreichischen Fernreisespezialisten TaiPan spricht bereits von aktuellen Buchungsrückgängen von "sicher zehn Prozent". Andere Anbieter setzen den Wert etwas höher an. Und in der Branche fürchtet man, dass das Minus nächstes Jahr noch weit größer ausfallen könnte.

Grund für die Aufregung ist eine noch nie dagewesene Säuberungswelle der Militärregierung in den vergangenen Monaten. An den Stränden von Khao Lak bis Pattaya wurden alle Liegen und Sonnenschirme entfernt, Imbisshütten abgerissen und teilweise sogar Klos abgebaut. Phukets Gouverneur Nisit Jansomwong ging diese Woche noch einen Schritt weiter: Urlauber dürfen in seinem Distrikt nun am Strand weder essen noch rauchen. "Das Trinken bleibt aber erlaubt", erklärte er lapidar.

Rotlicht-Razzien

Auch in den Rotlichtvierteln wird momentan kontrolliert wie niemals zuvor, einige Etablissements wurden bereits geschlossen. "Thailand will weg vom Ballermannimage", erklärt Katharina Jindra-Geiszler vom thailändischen Tourismusbüro in Wien (siehe Interview unten). "Jesolo ist ein Dreck dagegen, was Phuket war."

Viele der alteingesessenen Thailandurlauber finden diesen Wechsel hingegen gar nicht so schön. "Unter der Woche ist der Strand nun beinahe menschenleer", schreiben die deutschsprachigen Farangnews. "Keinem Touristen ist es zuzumuten, in der Sonne nur auf seinem Handtuch oder einer mitgebrachten Matte auszuharren und sich von Sandflöhen beißen zu lassen."

Besonders für die älteren Wintergäste, die dieser Tage nach Österreich zurückkehren, wurde das Ganze zum Problem. Viele kauften eigene Liegen und baten hilfsbereite Thailänder, dass sie diese täglich zum Strand bringen. "Gab es eine frühmorgendliche Razzia, mussten die Touristen Thailänder und Liegestühle bei der Polizei auslösen", erzählt Thailand-Dauerurlauber Hubert Mara. "Viele, mit denen ich gesprochen habe, sagten, dass es diesmal der letzte Urlaub in Thailand war. Sie werden sich um andere Destinationen umsehen: Myanmar, Kambodscha oder der Süden Vietnams. Thailand läuft zusehends Gefahr, viele, teilweise jedes Jahr kommende Stammgäste zu verlieren."

"Der Europäer ist nicht dafür geeignet, acht Stunden in der prallen Sonne zu liegen", sagt Tourismusmanagerin Oswald. Deshalb wird vielerorts um die raren Schattenplätze gekämpft. Auch mit der lokalen Polizei kommt es wegen Sonnenschirmen und Liegen derzeit oft zu Auseinandersetzungen, berichten Urlauber.

Mittlerweile ist die Angelegenheit hochpolitisch geworden. Als der KURIER vor Wochen nur in einem Nebensatz über die Liegestuhl-Probleme schrieb, folgte eine Protestnote der thailändischen Botschaft: "Wir wollen unsere Strände besser organisieren und sie für die Touristen sicherer machen", heißt es darin. Demnach gibt es einen Rückgang im Tourismus im Vorjahr um 6,6 Prozent. Nun sei aber – zumindest laut Presse-Attache Krirkbhumi Chitranukroh – ein Anstieg zu verzeichnen.

"Kein Sommertraum"

Seit Mittwoch gelten jedenfalls neue Regeln des Tourismusministeriums, und es wurde eine Imagekampagne gestartet. Diese begann in Phuket mit einem peinlichen Übersetzungsfehler. Es wurden Flugzettel von der Polizei ausgeteilt – auf denen stand: "Kein Sommertraum am Strand". Erst nach hämischen Presseberichten wurde das richtiggestellt: "Stellen Sie keine Liegestühle auf den Strand".

Jesolo ist ein Dreck dagegen, was Phuket war

Katharina Jindra-Geiszler ist Marketing Managerin beim thailändischen Tourismusverband in Wien-Wieden. Im Interview spricht sie über Thailands neues Sauberkeits-Image, die Touristenbeschwerden, Kriminalität und Buchungsrückgänge.

KURIER: Es gibt derzeit haufenweise Beschwerden darüber, dass Thailand die Strände von Liegestühlen und Sonnenschirmen säubert...

Jindra-Geiszler: Also ich würde sagen, das ist eher 50:50. Die eine Hälfte ist hellauf begeistert, die andere beschwert sich. Man muss aber wissen, dass in Thailand die Strände überall öffentlich sind. Dort ist es nirgends erlaubt, Stühle aufzustellen oder Imbiss-Buden aufzubauen. Aber an Orten wie am Pattongbeach in Phuket haben sich ganze Städte entwickelt und es haben sich illegale Unternehmen gebildet. Wo die Massen sind, werden die Leute eben erfinderisch. Jesolo ist ein Dreck dagegen, in Phuket gab es sechs und sieben Reihen Liegestühle. Wer mit dem Handtuch an den Pattong kam, ist bereits von den Vermietern weggepöbelt worden. Jetzt wird überall aufgeräumt und die natürliche Schönheit des Landes wieder hergestellt.

In der Branche hört man aktuell von Buchungsrückgängen bei Österreichern und Deutschen von zehn bis 20 Prozent. Manche Hotels sollen jetzt sogar zu 50 Prozent leer stehen.

Also so viel ist das sicher nicht. Der Rückgang 2014 beträgt drei bis vier Prozent. Man muss ja auch sagen, dass sich niemand um die Sauberkeit bemüht hat vorher. Der Strand war teilweise eine Müllkippe. Aber mindere Kategorie in der fünften Reihe ohne Pool und dann einfach den ganzen Tag an den Strand legen – das gibt es so nicht mehr. Das Ganze ist schon ausgeartet. Ich will keine Nationalität verunglimpfen, aber mit dem russischen Markt kamen in den vergangenen drei Jahren die Mafia und die Kriminalität. Es gab sogar schon erstmals russische Prostituierte, die in Phuket aufgegriffen wurden.

Die neue Militärregierung sorgt also für Zucht und Ordnung am Strand und im Rotlicht?

Das hat mit dem Militär nichts zu tun, das hätte die alte Regierung sicher jetzt auch gemacht. Wir werden nicht die Heiligsten der Heiligsten werden, aber Thailand will weg vom Ballermannimage. Es geht hin zu grünem und sanfterem Tourismus.