Chronik | Österreich
22.06.2018

Kein Glaube an den Lithium-Segen

Rohstoff soll abgebaut werden. 425 Millionen Euro Anfangsinvestition, 1400 Arbeitsplätze – viel für St. Paul

„Der liebe Gott wird auch einmal zu uns kommen – so wie der Lithium-Segen mit all den Millionen Euro und Arbeitsplätzen.“ Die Aussage von Helmut Krall aus St. Paul im Lavanttal zeigt, was die Bevölkerung von den Ankündigungen im Zusammenhang mit den Lithium-Abbauplänen auf der Koralpe und möglichen Firmenansiedlungen hält. Die Bürger hier wurden schon öfter enttäuscht und glauben erst an das Projekt, wenn es realisiert ist.

Stolz sind sie, die St. Pauler: auf ihr Stiftgymnasium, das einzige überhaupt im ganzen Lavanttal. Paul Hörbiger oder Peter Simonischek zählen zu den Absolventen. Und einen „Schatz“ haben sie schon hier, das Benediktinerstift, wegen seiner Kunstsammlung auch „Schatzhaus Kärntens“ genannt. Aber was ist das gegen den Segen, der ihnen in wenigen Jahren zuteil werden soll? 425 Millionen Euro will das australische Unternehmen „European Lithium“ investieren, um auf der Koralpe Lithium abzubauen. Ausgerechnet im 25 Kilometer entfernten St. Paul soll eine Lithium-Hydroxit-Fabrik entstehen, ein Akku-Werk und mehrere E-Auto-Firmen. 1400 neue Arbeitsplätze soll das bringen. Das Land ist an Bord, die Gemeinde hätte eine 30 Hektar große Liegenschaft zur Verfügung, bewilligt als Gewerbepark. Die entsprechenden KV-Leitungen sind vorhanden und irgendwann wird hier die Koralmbahn Station machen. Angesichts dieser rosigen Zukunftsaussichten müsste eine 3000-Einwohner-Gemeinde in Jubelstimmung verfallen. Weit gefehlt, das Projekt ist Randthema.

„Abwartendes Volk“

„Bei uns im Café wird kaum darüber gesprochen“, sagt Andrea Oberhauser von der Konditorei Sternweiß. „Wir Lavanttaler sind ein abwartendes Volk, glauben noch nicht an den Lithium-Segen. Wer weiß: vielleicht kommen von 1400 Arbeitsplätzen die Hälfte. Oder gar keiner“, ergänzt sie. Klaus Oswald hält nichts von den Spekulationen, wonach der Berg zehn, 17 oder vielleicht sogar 30 Jahre lang Lithium spenden soll: „Vielleicht ist es nur ein halbes Jahr. Und dann schauen wir mit den Arbeitsplätzen durch die Finger.“

Brauchen würde man hier neue Beschäftigungsfelder sehr wohl, sagen alle Befragten. „Die Abwanderung ist groß, viele Bürger aus St. Paul arbeiten in Wolfsberg oder Klagenfurt. Für die Jungen wäre der Lithium-Schatz eine Chance, denn St. Paul droht ja auszusterben“, weiß Agnes Gorenzl, um hinzuzufügen: „Die Politik hat uns in den letzten Jahren schon viel versprochen und wenig gehalten.“ Anfangs erwähnter Herr Krall nennt zwei Beispiele: „Die Koralmbahn sollte seit 2016 fahren, jetzt ist von 2025 die Rede. Und die Magna-Ansiedelung bei uns ist überhaupt geplatzt. Dabei wäre der Standort ideal für jedes Unternehmen.“

Nachbarn eingebunden

Falls der Lithium-Segen tatsächlich über das Lavanttal hereinbricht, will St. Pauls Bürgermeister Hermann Primus (SPÖ) übrigens eventuelle Neidgefühle der Nachbargemeinden eindämmen, indem er diese mitnaschen ließe. „Ein interkommunaler Vertrag wird aufgesetzt. Ich möchte Frantschach, Wolfsberg, St. Andrä, St. Georgen und Lavamünd einbinden. Wir teilen uns Kosten für die Infrastruktur, als auch Einnahmen über die Kommunalsteuer“, betont Primuse