Chronik | Österreich
23.11.2018

Kampfansage des Kärnten-Tourismus

Regionen werden gestrafft, um die Schlagkraft am nationalen Markt zu erhöhen

13 Millionen Nächtigungen verzeichnete der Kärnten-Tourismus im Jahr 2017, so viele wie seit 2003 nicht mehr. Und die 3,1 Millionen Ankünfte im Vorjahr waren überhaupt ein Allzeit-Rekord. Dennoch orten die Experten noch viel Luft nach oben. Mit einer Reduktion der Tourismusregionen sagt Kärnten nun den anderen Bundesländern beim Buhlen um die Gäste den Kampf an.

Kärnten ist im internationalen und nationalen Vergleich klein. Und dann ist dieses Bundesland noch in 14 Tourismusregionen unterteilt, die eigenständig um Urlauber werben. „Nur Regionen, die ausreichend finanzielle Mittel und Ressourcen für die Bewerbung haben, werden entsprechend wahrgenommen. Auch die Anforderungen der Digitalisierung sind für kleineren Regionen herausfordernd“, sagt Tourismuslandesrat Ulrich Zafoschnig (ÖVP). Er will bis Juni 2019 neue Strukturen schaffen, Tourismusregionen zusammenlegen, „um schlagkräftiger zu werden und am Tourismusmarkt entsprechend auftreten zu können“, wie er betont. Ob aus 14 dann sieben, drei oder nur die eine „Kärnten“-Region wird, ist offen.

Vier werden geschluckt

Fakt ist, dass vier der 14 Verbände ganz sicher „geschluckt“ werden. Nämlich jene, die nicht einmal die Vorgabe des Tourismusgesetzes (jährlich 500.000 Nächtigungen oder 800.000 Euro Budget aus Taxen) erfüllen: Dies sind die Carnica Region Rosental, Malta-Liesertal, Mittelkärnten und Lavanttal.

„Ich befürchte zwar den Verlust lokaler Identitäten, aber prinzipiell habe ich nichts gegen die Bündelung von Kräften“, meint Margit Thonhauser, Geschäftsführerin des Lavanttal-Tourismus. Kooperationen mit Klopeiner See oder dem Rosental gebe es bereits jetzt. Auch Siggi Neuschitzer vom Malta-Liesertal kann sich beispielsweise eine Fusion mit der Region Katschberg vorstellen. „Aber im Dialog mit dem Land und der Kärnten Werbung. Den gab es bisher nicht“, bemängelt er. Zafoschnig unterstreicht, dass es keine „Zwangsverordnungen ohne Einbindung regionaler Unternehmen und Gemeinden“ geben werde.

Einspruch der Hotspots

Die Geschäftsführer jener Gebiete, die als Gäste-Hotspots gelten, deponieren indes, dass sie ihre Eigenständigkeit behalten wollen. „Da bedarf es keinerlei Gespräche“, betont Helmuth Micheler vom Klagenfurt-Tourismus. „Wir zahlen ein Drittel der insgesamt 18 Millionen an Kärntner Tourismusabgaben ein, ticken anders, weil wir Kongresse abhalten, Geschäftsreisende beherbergen. Ein Zusammenschluss mit einer anderen Region wäre nicht zielführend.“ Aus Villach kommen ähnliche Argumente. „Wir stellen ein Fünftel der Kärntner Nächtigungen, haben die optimale Regionsgröße, um die großen Herausforderungen der Zukunft meistern zu können“, erklärt Georg Overs. Wörthersee-Touristiker Roland Sint betont, er habe nichts gegen „größere und professionellere Einheiten“, sei mit einem Drei-Millionen-Jahresbudget eigenständig jedoch „äußerst handlungsfähig“. Und Christopher Gruber vom Nassfeld hat bereits ein Positionspapier an das Land geschickt, wonach er jegliche Fusion, von der seine Region betroffen wäre, ablehnt.

THOMAS MARTINZ