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Chronik Österreich
10/31/2021

Kaiser Franz Josephs Erbe steht in Flammen

Die 115 Hektar Wald, die seit Wochenbeginn zwischen Rax und Schneeberg brennen, gehören zur Gänze Wien – und nicht nur sie.

von Andreas Puschautz

115 Hektar Wald stehen seit Wochenbeginn in der Rax-Schneeberg-Gruppe im südlichen Niederösterreich in Flammen, Entwarnung konnte nach wie vor nicht gegeben werden. Das vom Feuer betroffene Gebiet ist zur Gänze Eigentum der Stadt Wien. Doch warum ist das so?

Seit 1873, also seit beinahe 150 Jahren, bezieht Wien sein Trinkwasser über die erste Hochquellenleitung aus dieser Region. Die zweite vom steirischen Hochschwab kam 1910 dazu. Um diese essenzielle Versorgung abzusichern, bewirtschaftet die Stadt die Quellgebiete selbst.

Insgesamt verfügt Wien über 41.500 Hektar Forstbesitz. Der Großteil davon, 33.000 Hektar, verteilt sich auf die beiden Quellschutzwälder in der Rax-Schneeberg-Gruppe und am Hochschwab (siehe Grafik rechts), der Rest befindet sich im Wienerwald. Damit ist die Stadt Wien nach den Bundesforsten und der Familie Mayr-Melnhof der drittgrößte Waldbesitzer Österreichs.

Des Kaisers Erbe

Der Grundstein für diesen Schatz wurde im 19. Jahrhundert gelegt. Nachdem der Wiener Gemeinderat im Juli 1864 die Vorbereitung des Baus der ersten Hochquellenleitung beschlossen hatte, machte Kaiser Franz Joseph I. am 1. Mai 1865 – offiziell anlässlich der Eröffnung der Ringstraße – die Kaiserbrunnquelle im Höllental am Fuß des Schneebergs der Stadt zum Geschenk.

Wenig später begann die Stadt dann, zusätzliche Wälder anzukaufen, 1911 belief sich der städtische Forstbesitz in den Quellregionen bereits auf 17.000 Hektar. Eine weitsichtige Investition, die dem heute knapp zwei Millionen Einwohner zählenden Wien ausreichend Trinkwasser bester Qualität sichert.

Das bestätigt auch Wiens Forstdirektor Andreas Januskovecz. Er ist seit dem Jahr 2001 in dieser Position Schutzherr der Wiener Wälder und war davor elf Jahre lang selbst Forstmeister zwischen Schneeberg und Rax. „Als Daseinsvorsorge ist dieser Waldbesitz extrem wichtig, weil man bereits damals erkannt hat, dass der Schutz der Quellen nur über deren Eigentum sicherzustellen ist“, sagt er im Gespräch mit dem KURIER.

Rund 80 Mitarbeiter der MA 49 – Forst- und Landwirtschaftsbetrieb, wie Januskovecz’ Abteilung offiziell heißt, sorgen vor Ort dafür, dass dieses Erbe erhalten bleibt. Dazu kommen rund 40 Angestellte der Wasserwerke, mit denen das Forstamt eng zusammenarbeitet.

Alles für das Wasser

Alle Aktivitäten und Landnutzungen in den Quellschutzregionen sind – der Name ist Programm – dem Quellschutz untergeordnet. Auch die Wälder selbst werden naturnah bewirtschaftet, um einen optimalen, sprich wasseraufnehmenden und gleichzeitig filtrierenden Bodenzustand zu erhalten.

In der Praxis bedeutet das: Nur kleinflächige Eingriffe in den Baumbestand, kein Kahlschlag und die bewusste Förderung eines an Boden und Klima angepassten, ökologisch wertvollen Mischwald-Bestands.

Dass das einzige und letzte Sägewerk der Stadt Wien in Hirschwang an der Rax, also just in der aktuellen Waldbrand-Gemeinde, mit Jahresende 2016 mangels Rentabilität geschlossen wurde, spricht Bände.

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