Chronik | Österreich
18.10.2017

Kärntner Grüne brauchen Krisenmanager

Landesrat Holub will auch Stelle des Landeschefs übernehmen

Während anderenorts nach dem Grünen Wahldebakel personelle Konsequenzen gezogen werden, passiert in Kärnten genau das Gegenteil: Landesrat Rolf Holub, der von vielen Beobachtern für das schlechte Kärnten-Ergebnis bei der Nationalratswahl von 2,4 Prozent zumindest mitverantwortlich gemacht wird, peilt sogar eine zusätzliche Funktion an: er will die vakante Stelle des Landeschefs übernehmen.

Dieser Posten ist seit dem Rückzug von Marion Mitsche wegen der Querelen um angeblich für Listenerstellungen angeworbene Asylwerber unbesetzt, ein sogenanntes "Leitungsteam" lenkt unter Holubs Führung die Geschicke der Partei. "Wir wollen noch heuer eine Landesversammlung einberufen, um den neuen Parteichef zu küren. Ich trete an, denn in Krisenzeiten ist es besser, wenn alles in einer Hand ist. Einer muss die Führungsrolle übernehmen, wir müssen das Bild eines zerstrittenen Haufens zurechtrücken", sagt Holub. Er bekleidete das Amt des Landessprechers bereits von 2004 bis 2011, bevorzugte dann jedoch eine "Doppelspitze".

Einen Rücktritt habe er nie ins Auge gefasst, meint er. Für das schlechte Abschneiden der Grünen hat Holub, der gerne als Kabarettist tätig ist, eine Erklärung: "Es ist wie beim Fußball: wenn du die drei besten Stürmer, Van der Bellen, Glawischnig und Pilz, aus dem Spiel nimmst und die Verteidiger Eigentore schießen, verlierst du das Match – und die Zuschauer."

Um sie wiederzugewinnen, will Holub zu ungewöhnlichen Mitteln greifen: "Wir brauchen externe Berater, auch Politologen und Krisenmanager; die werden wir jetzt kontaktieren." Und er werde Sprechstunden einrichten – aber nicht im Büro der Landesregierung. "Ich bin künftig in den S-Bahnen in Kärnten buchbar", kündigt er an.