Chronik | Österreich
20.11.2017

Alexa, Concierge vom Wörthersee

Europapremiere im Tourismus: Sprachassistent beantwortet im Gästezimmer spezielle Urlauberfragen.

Frage: Alexa! Was kann ich heute bei diesem Wetter rund um den See unternehmen?

Antwort: Es wird am Vormittag leicht regnen. Zur Auswahl in deiner Nähe hätte ich die Kletterhalle XYZ, den Streichelzoo ABC oder das Heimatmuseum 123. Wenn du mehr wissen willst, sage das Schlüsselwort "Sport", "Kultur", oder "Natur".

In Form eines solchen Dialoges werden ab 2018 Touristenwünsche in diversen Hotels und Pensionen rund um den Wörthersee erfüllt. Nur handelt es sich bei Alexa um keine Rezeptionistin, sondern um den Sprachassistenten Echo von Amazon.

Es ist eine Europapremiere, der der Wörthersee-Tourismus entgegenfiebert, denn Alexa wird erstmals in Gästezimmern Dienst schieben und dort nicht nur Sportergebnisse vorlesen oder Musikwünsche erfüllen, sondern als Ansprechpartner für Detailfragen, wie nach Spezialitätenrestaurants, einsamen Wörtherseezugängen oder Veranstaltungshotspots, zur Verfügung stehen – eine Concierge, stets verfügbar, top informiert, aufmerksam und diskret zugleich.

"Einen Prototypen gibt es bereits", berichtet Roland Sint, Geschäftsführer des Wörthersee-Tourismus. Er will aber nicht verhehlen, dass am Feinschliff gearbeitet werden muss. "400 Fragen kann Alexa beantworten. Die Herausforderung ist die Zusammenführung von verschiedenen Datenquellen. Neben den Angeboten der Region soll es den teilnehmenden Betrieben möglich sein, Inhalte wie Wissenswertes zum Haus oder der eigenen Speisekarte zu integrieren. Auch soll Alexa nicht mehr als fünf Antworten geben, da sich der Gast diese ja merken muss", erklärt Sint.

In einem weiteren Entwicklungsschritt wird Alexa in die Wörthersee-App integriert, dann können Daten auf das Mobiltelefon des Gastes überspielt werden.

Datenschutz

Die Urlauber werden per Merkblatt und Bedienungsanleitung auf das Spezial-Service aufmerksam gemacht. Persönliche Daten des Gastes würden nicht gespeichert und an die Touristiker oder an Amazon weitergegeben, versichert Sint. Der KURIER wollte sich dies auch von Amazon bestätigen lassen und erhielt folgende Antwort: "Leider kann Amazon zu diesem konkreten Fall keine Auskunft geben."

Das Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt und mit 800.000 Euro budgetiert, die Kosten teilen sich der Bund in Form einer Innovationssubvention und Wörthersee-Tourismus. Betriebe können Echo um 100 Euro ordern, weiters fällt pro Gästezimmer ein bis dato unbekannter Entwicklungskostenbeitrag an.

Die Bestückung von 200 Gästezimmern ist fixiert, der bisher größte Kunde ist das Werzer’s Resort in Pörtschach. "2018 rüsten wir 60 Zimmer mit Alexa aus, 2019 dann 50 weitere. Vor allem das junge Publikum will immer schneller zu Informationen kommen. Alexa ist die Zukunft des Tourismus", sagt Werzer’s-Geschäftsführer Wolfgang Haas.

Skepsis bei Hoteliers

Das Schlosshotel Velden wird im Jahr 2018 nicht auf den Zug aufspringen. "Wir warten die Premierensaison erst einmal ab", heißt es. Unschlüssig ist der Direktor des Pörtschacher Parkhotels, Robert Heitzeneder: "Wir halten das prinzipiell für einen vernünftigen Weg, gleichzeitig regiert noch Skepsis. Vielleicht probieren wir das Service nächstes Jahr in ein paar Zimmern aus."

Monika Wunder von der gleichnamigen Ferienpension in Pörtschach will erst die Kostenfrage geklärt wissen: "Wir verfügen nur über 15 Zimmer, ein Familienbetrieb wie unserer muss jede Investition genau abwägen", sagt sie.

Amazon Echo

Dieses Produkt ist ein von Online-Versandhändler Amazon entwickeltes Audio-Gerät mit einem Lautsprecher und sieben Mikrofonen. Die Sprachsteuerung gilt als "direkter Draht" ins Amazon-Kontrollzentrum, um Produkte zu ordern, Musik abzuspielen, Anrufe zu tätigen, Nachrichten zu senden und zu empfangen sowie Informationen zu erhalten. Um Echo zu nutzen, müssen die Aktivierungsworte "Alexa", "Echo", "Amazon" oder "Computer" gewählt werden.

Sprachbefehle und Sprachbotschaften werden dauerhaft in der Amazon-Cloud gespeichert, um die Spracherkennung zu verbessern, was Kritik von Datenschützern auslöst. Immer wieder gibt es Pannen: Ein Nachrichtensprecher in den USA sagte den Satz "Ich liebe dieses kleine Mädchen, wie sie sagt ,Alexa hat mir ein Puppenhaus bestellt'". Das reichte, damit Alexa in zahlreichen Haushalten hellhörig wurde, und Puppenhäuser bestellte. Ein in London lebender Graupapagei, der die Stimme seines Frauchens nachahmte und so Alexa aktivierte, schloss auf diese Art eine Bestellung ab.