Chronik | Österreich
02.06.2017

Jugendamt soll verurteilte Frau als Pflegemutter zugelassen haben

Land Steiermark bemüht sich um Kulanzzahlung für heute 51-jähriges Opfer von Misshandlungen.

Eine Frau, die wegen Kindestötung verurteilt wurde, jedoch nach der Enthaftung trotzdem Pflegekinder aufnehmen durfte? "Solche Vorkommnisse sind heute ausgeschlossen", versichert ein Sprecher von Soziallandesrätin Doris Kampus, SPÖ. Aber: In den 1970er- bis in die 1980er-Jahre dürfte so etwas tatsächlich vorgekommen sein. Und zwar im Zuständigkeitsbereich des Jugendamtes Leibnitz.

Ein heute 51-jähriger Steirer wandte sich mit seiner Lebensgeschichte an die Öffentlichkeit. Via Ö1 schilderte er, dass er von seiner Pflegemutter misshandelt und gedemütigt worden sei - 15 Jahre lang. 1966 kam er als Baby zu der Frau, die laut seiner Recherchen zwischen 1957 und 1963 im Gefängnis gesessen sei: Sie soll ein Kind getötet haben. Das zuständige Jugendamt Leibnitz habe davon gewusst.

Zu spät

Von den damals aktiven Beamten ist heute natürlich keiner mehr im Dienst. Zivil- und strafrechtlich ist der Fall außerdem längst verjährt. Doch auch beim Land Steiermark blitzte der 51-Jährige ab: Die Opferschutzkommission der Landesregierung war 2011 bis 2012 tätig. Sie kümmerte sich analog zur Opferschutzkommission des Bundes, die kirchliche Verdachtsfälle auf Missbrauch aufarbeitete, um Vorwürfe gegen Landeseinrichtungen.

"Die Kommission war von Beginn an befristet", heißt es von Seiten des Landes. "Derzeit ist es tatsächlich so, dass der Steirer zu spät kommt." Doch Soziallandesrätin Kampus verspricht, sich um eine Kulanzregelung zu kümmern: "Wir suchen nach einer Lösung." Hätte sich der Mann früh genug gemeldet, wäre er wohl unter jenen 129 Betroffenen, die Anerkennungszahlungen vom Land bekommen haben. 860.000 Euro wurden dafür 2011 und 2012 aufgewendet.