© dpa/Andreas Gebert

Österreich
06/12/2015

Jährlich rund 8.800 Verletzte bei Bergunfällen

Selbstüberschätzung und mangelnde Fitness als Hauptursachen.

In Österreich verletzten sich jedes Jahr rund 8.800 Menschen beim Wandern und Bergsteigen so schwer, dass sie ins Spital müssen. Durchschnittlich 100 Menschen sterben laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) jährlich bei Unfällen auf den Bergen. Die Hauptgründe sind "Selbstüberschätzung und mangelnde Fitness", sagte KFV-Experte Martin Pfanner.

"Zum Bergsteigen brauchst Hirnschmalz", meinte der Tiroler Extrembergsteiger Peter Habeler. "Bei den meisten Getöteten handelt es sich nicht um Hochalpinisten, sondern um Personen, die im leichteren Gelände unterwegs waren", sagte Pfanner. "Das Gebirge ist gefährlicher geworden", konstatierte Habeler. Hauptgrund dafür sei das Aufgehen des Permafrosts. "Früher hielt er wie Kit das Gestein und die Erde zusammen, nun bröckelt es, die Erde rinnt aus und nimmt Steine mit."

Mehr als 1,1 Millionen Österreicher wandern laut KFV zumindest gelegentlich. Die richtige Vorbereitung dafür sei das Um und Auf. Bei Touren müsse man im Vorfeld Informationen einholen, die Wettersituation checken, sich gut vorbereiten - auch konditionell - und die richtige Ausrüstung wählen, erklärte Habeler bei einer Bergtour für Journalisten in den Zillertaler Alpen."Im Freiraum Berg braucht es viel Disziplin." Für die Ausrüstung gilt: "Es muss alles leicht sein", sagte der Profi, der 1978 gemeinsam mit Reinhold Messner erstmals den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät bestieg.

Wie wird das Wetter?

"Wichtig ist, dass man ein paar Tage zuvor die Wetterprognose verfolgt: Wird es wechselhaft oder bleibt es stabil?", sagte Thomas Wostal von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Hilfreich sei auch persönliche Beratung. Eine solche erhält man beispielsweise kostenlos beim Alpenverein-Wetterdienst, hier informieren Meteorologen mit Bergerfahrung. Ist man dann unterwegs, "hilft schauen am meisten", erklärte Wostal. Auch Einheimische seien eine gute Informationsquelle. "Wenn die Wolken bereits zeitig hochkochen, sich wie Schlagoberstürme in die Höhe ziehen, dann ist das ein Signal, dass es extrem gewitteranfällig ist", warnte Wostal.

Kommt es auf dem Berg doch zu einem Unfall, "ist in 99 Prozent der Mensch selber daran schuld", sagte Habeler. "Viele Bergsportler glauben, einfach alles ist machbar. Sie wollen mit dem Brecheisen ins Gebirge. Das Gebirge verträgt aber kein Brecheisen", erklärte der Extrembergsteiger. "Die Mixtur aus hochgestecktem Ziel bei wenig Erfahrung kann mit tödlicher Präzision zum Bergunfall führen", bekräftigte Bergführer Christian Eder.

Galt früher der schlecht ausgerüstete "Halbschuhtourist" als Synonym für den alpinen Leichtsinn, ist dieser heute oft besser "equipped" als so mancher Extrembergsteiger, meinten die Experten. Doch die hochwertige Ausrüstung kompensiere nicht Mängel bei der Erfahrung und körperlichen Konstitution.

Todesweg: Gefährlichster Klettersteig der Welt eröffnet wieder

Journalists walk along the new Caminito del Rey (T

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The new Caminito del Rey (The King's Little Pathwa

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Journalist takes a picture of a train as he walks

Train is seen as journalists walk along the new Ca

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Journalist walks along the new Caminito del Rey (T

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Ausrutschen und Stolpern Hauptunfallursache

Jedes Jahr sterben auf den heimischen Bergen rund 100 Menschen beim Wandern und Bergsteigen, 35 davon aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen.
1.129.000 Österreicher wandern laut KFV gelegentlich bis viel, davon sind 30 Prozent über 65 und elf Prozent jünger als 25 Jahre. Viele sind zwar „gut ausgerüstet, können aber nicht mehr richtig gehen“, sagte KFV-Experte Martin Pfanner.

Das KFV ermittelte anhand von jährlich 24.000 Interviews mit Verletzten im Krankenhaus in allen Bundesländern sowie der Spitals-Entlassungsstatistik die Hauptunfallursachen. Demnach sind 45 Prozent der Bergunfälle auf Ausrutschen zurückzuführen. 26 Prozent stolperten, bei neun Prozent war Überanspruchung unfallursächlich. Bei ebenfalls neun Prozent war ein Sprung oder Fall aus der Höhe der Grund für die Verletzung. Bei drei Prozent war es der „Kontakt mit statischen Objekten“, beispielsweise mit einem Baum.

Der Großteil der Verletzten erleidet Knochenbrüche (48 Prozent), gefolgt von Sehnen- und Muskelverletzungen (27 Prozent), Prellungen (acht Prozent) sowie offenen Wunden (fünf Prozent). Am öftesten betroffen sind Fußgelenke und Knöchel (25 Prozent), gefolgt vom Knie (19 Prozent), den Schultern (acht Prozent) sowie Handgelenken (sechs Prozent).

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