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Insektenplage: Als Heuschrecken die Südbahn lahmlegten

1930 legten Tausende Heuschrecken den Zugverkehr lahm. In der Vergangenheit hat es große Schwärme schon öfter gegeben.
Calliptamus italicus, the Italian locust, ina natural habitat

Sie kamen in der drückend heißen Nacht: Wie eine schwarze Wolke verdunkelten die Tiere den ohnehin schon finsteren Himmel im Süden Niederösterreichs. Gegen Mitternacht vom 25. auf den 26. Juni 1930 ließen sich Tausende Heuschrecken beim Bahnhof Obereggendorf auf den Bahngleisen der Südbahn nieder. Ein ungewöhnliches Naturschauspiel mit unerwarteten Folgen.

Schwarm legte Bahnverkehr lahm

Der – laut damaligen Berichten 100 Meter lange, fünf Meter breite und 15 Zentimeter hohe Schwarm – legte nämlich den Bahnverkehr lahm: Durch die Massen an überfahrenen Insekten wurden die Schienen derart schlüpfrig, dass kein Zug mehr fahren konnte. Zwei Güterzüge blieben verspätet.

Erst versuchte die Feuerwehr, die Tiere mit Benzin zu übergießen, doch das war ob der schieren Masse unzureichend. Schließlich wurden Hunderte Arbeitslose zusammengetrommelt. Mit Stöcken bewaffnet gingen sie die Bahngleise entlang, trieben die Tiere zusammen und übergossen sie mit wasserlöslichem Carbolineum. Auf einem nahen Kartoffelfeld sollen sich da bereits Millionen Heuschrecken eingefunden haben. „Zentnerweise“ wurden die Kadaver eingesammelt. Das angeforderte Militär wurde nicht benötigt.

Wanderschaft

Glücklicherweise handelte es sich bei den Tieren um die in der Region beheimatete Italienische Schönschrecke und nicht um die Wanderheuschrecke. Die Hitze des Sommers hatte zu einer großen Vermehrung geführt und die daraus resultierende Nahrungsknappheit hatte die Heuschrecken dazu gebracht, sich zu einem Schwarm zusammenzuschließen und auf Wanderschaft zu gehen. Laut Zeitungsberichten hielt sich der Schaden in Grenzen, da sich die Tiere vorwiegend im Heideland gesammelt hatten.

In der Geschichte NÖs wurden Regionen immer wieder von Heuschreckenschwärmen heimgesucht. Gut dokumentiert ist etwa jene Katastrophe von 1338 bis 1341, bei der ganze Landstriche vernichtet wurden. Die Menschen fürchteten, das jüngste Gericht sei gekommen. Der spätere römisch-deutsche Kaiser Karl IV. weilte zu dieser Zeit im Weinviertel nahe Pulkau und berichtete von einem Schwarm, der sieben Meilen (das entspricht heutigen rund 50 Kilometern) lang war. Man habe nicht einmal mehr die Sonne gesehen.

Die Italienische Schönschrecke steht heute auf der roten Liste der gefährdeten Arten. Zuletzt hat sich ihr Bestand aber erholt.

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