Chronik | Österreich
11.07.2013

Innsbruck zieht Ehrung für Kindesmisshandler zurück

Einstimmig hat der Gemeinderat der Stadt Innsbruck die Aberkennung zweier Ehrenzeichen beschlossen.

Fall eins handelt von Pater Magnus Kerner. Der Kapuziner-Pater Kerner war Leiter des Seraphischen Liebeswerkes und des berüchtigten Kinderheimes " Bubenburg" in Fügen. Kerner, 1982 mit dem Innsbrucker Sozialehrenzeichen geehrt, ist laut dem Historiker Horst Schreiber "für langjährige Vertuschung von Gewalt und sexuellen Übergriffen durch Laienerzieher verantwortlich". Ehemalige Heimkinder aus Fügen berichten sogar von sexuellem Missbrauch durch Kerner.
Geehrtes SS-Mitglied

Der Zweite ist Hermann Pepeunig. Er war bereits als illegaler Nazi in Österreich tätig. Später war er Beamter im Dienst des Landes Tirol und Geschäftsführer des Vereins "Aufbauwerk der Jugend". SS-Mann Pepeunig, wurde 1983 für besondere Verdienste auf dem Gebiet der Sozialarbeit geehrt, obwohl er davor bereits zwei Mal wegen schwerer Körperverletzung an Jugendlichen verurteilt worden war. Einer der in den vergangenen Jahren unermüdlich für die Aberkennung der Ehrenzeichen des Prügel-Paters und des Ex-Nazis gekämpft hat, ist Erwin Aschenwald. Der Tiroler verbrachte selbst einige Jahre in der "Bubenburg". Aschenwald: "Es ist erfreulich, dass die Ehrenzeichen aberkannt wurden. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Politik es nicht von sich aus geschafft hat, sondern erst dazu gedrängt werden musste."

Verantwortung übernehmen

Die Ehrenzeichen der Stadt Innsbruck der beiden Kindesmisshandler sind nun Geschichte. Doch beide sind seinerzeit auch vom Land Tirol geehrt worden. Dem Vernehmen nach wird auch im Landtag die Aberkennung der Landes-Ehrenzeichen diskutiert. Die neue Soziallandesrätin Christine Baur (Grüne) im KURIER-Interview: "Es ist ganz wichtig, dass Verantwortung übernommen wird." Vorreiter war diesbezüglich Oberösterreich, das zwei ehemaligen Mitarbeitern von Kinderheimen die Ehrenzeichen des Landes aberkannt hat (ehe es soweit war, haben die beiden freilich ihre Orden "freiwillig" zurückgegeben). In anderen Bundesländern gibt es darüber noch keine öffentlichen Diskussionen.