Chronik | Österreich
26.07.2018

In zehn Jahren droht Ende der Eschen

7000 Hektar Wald sind im niederösterreichischen Augebiet derzeit gesperrt. Experten suchen nach Auswegen.

Das Eschensterben hört nicht auf. Im Gegenteil: Experten zeichnen ein düsteres Zukunftsbild. „Das Schreckensszenario ist, dass es schon in wenigen Jahren gar keine Eschen mehr gibt“, sagt Roland Jaggler, Bezirksförster von Tulln. Besonders betroffen von der Epidemie ist das Donau-Auengebiet. Von Krems bis nach Korneuburg rafft es die Bäume dahin. Rund 7000 Hektar Waldfläche sind in diesem Bereich derzeit für Schlägerarbeiten gesperrt, schätzt Jaggler. Betroffen ist aber jede Esche, egal wo sie steht. Im Augebiet gibt es nur besonders viele dieser Baumarten.

Ursprung im Höllental

Die ersten Symptome wurden bereits 2004/5 im Höllental beim Schneeberg gefunden, erzählt Reinhard Hagen, Forstschutzreferent des Landes Niederösterreich. Schnell wurde klar, was die Ursache ist: „Das Falsche weiße Stängelbecherchen“. Ein Pilz, der vermutlich durch Holztransporte aus Nordostasien eingeschleppt wurde. Treffen die durch den Wind verbreiteten Pilzsporen auf Eschen, gelangen sie in deren Wasserbahnen, wachsen dort heran und verstopfen sie. Daran geht der Baum dann zugrunde. Die Blätter fallen ab, die Wurzeln trocknen aus.

Innerhalb von zwei Jahren hatte sich der Pilz in ganz Österreich ausgebreitet, sagt Hagen und ergänzt, dass mittlerweile ganz Mitteleuropa von der Epidemie betroffen ist. „Die Situation sieht nicht gut aus. Die Mortalitätsrate ist deutlich gestiegen, wenn man sich die Jahre im Vergleich ansieht. Es sind alle Altersklassen betroffen. Es ist egal, ob die Bäume alt oder stark sind. Wenn es so weitergeht, wird es sehr dramatisch. Es ist zu befürchten, dass die Esche bereits in zehn Jahren ein Relikt bei uns ist“, erklärt Hagen.

Vor zwei Jahren nahm die Dramatik dann einen neuen Wendepunkt: Die Eschen begannen auf einmal umzufallen. Der Pilz hatte Stammfuß und Wurzelbereich befallen, was dazu führt, dass die Wurzeln absterben, der Baum keinen Halt mehr hat und umkippt. „Das war in den vergangen zwei Jahren massiv zu beobachten“, sagt Hagen. Noch immer sei die Ursache nicht klar. „Hängt es mit der Wassersituation zusammen? Mit den heißen Jahren 2015/16? Es ist fachlich nicht nachvollziehbar.“

Mit Hochdruck werde nach resistenten Arten gesucht. Denn für Hagen steht fest: „Jeder Verlust einer Baumart bedeutet eine ökologische Verarmung und wirtschaftliche Einbußen.“ Jaggler befürchtet jedoch, dass es noch 20 bis 30 Jahre dauern könnte, bis es brauchbares Saatgut geben wird.

Wo Personen- und Sachschäden durch das Umfallen befürchtet werden müssen, müssen die Bäume seither geschlägert werden. Vergangenes Jahr waren im Augebiet laut Hagen 20.000 Hektar für diese Arbeiten gesperrt. Die Arbeit laufe sukzessive.

 

Tulln ist eine jener Städte, die besonders betroffen war. Zahlreiche Bäume mussten entnommen werden. Im Areal des Wasserparks waren es zum Beispiel 4000 Bäume. Die Verantwortlichen wollten die Rodung aber auch als Möglichkeit der Abkehr von Monokulturen sehen und als Chance, die Biodiversität des Waldes wieder herzustellen. Bei der Garten Tulln wurde deshalb im April als Symbol eine „Allee der Zukunft“ gepflanzt – mit rund 40 heimischen Bäumen.